CEMVA

Centro Educativo Multifuncional Villa Armonía
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Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

de:freiwillige:engel [2010/06/10 21:02] (aktuell)
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 +Centro Psicopedagógico / Sucre / Bolivia\\
 +====== Bericht von Sebastian Engel ======
 +
 +Ich habe in Sucre im Centro Psicopedagógico gearbeitet, Boliviens grösster
 +Einrichtung für geistig und körperlich Behinderte mit einer kleinen
 +Abteilung für ehemals drogenabhängige Kinder (weder geistig noch körperlich
 +behindert). Das Psicopedagogico ist eine riesen Anlage, mit kleinem
 +Schwimmbad, Sporthalle, Spielplatz und vielen Wohnhäusern für die Bewohner.
 +Wie gesagt ist der Grossteil geistig oder körperlich behindert. Das
 +Zusammenleben der verschiedenen Menschen funktioniert meiner Ansicht nach
 +prima und ich kann auf jeden Fall sagen, dass ich einen ganz anderen, sehr
 +postivien,  Bezug zu Menschen mit Behinderungen bekommen habe. (Besonders
 +nachdem ich bei der Einweihung eines neuen Gebäudes durch die First-Lady von
 +Bolivien dank eines kleinen Jungens, der sich immer ruckartig nach hinten
 +warf, besagter Dame vor die Füsse fiel ;))
 +Das Centro Psicopedagogico wird von einem Spanischen Orden von Mönchen
 +unterhalten, dem Orden "San Juan de Dios", der wohl auf der ganzen Welt
 +viele verschiedene Projekte unterhält.
 +
 +Innerhalb des Centro Psicopedagogico habe ich also in der Comunidad
 +Therapeutica gearbeitet, in der Jungs von der Strasse im Alter von sagen wir
 +mal 4 bis 14 Jahren wohnen (vergleichbar mit einem Internat). Die meisten
 +dieser Jungs haben Familie, diese hat aber keine Zeit oder Lust, sich um
 +ihre Kinder zu kümmern und überlässt diese daher dem Leben auf der Strasse.
 +Das aussergewöhnliche an eben diesem Projekt (der comunidad) ist, dass es
 +sich eigentlich mit ehemals drogenabhängigen Kindern befasst. Ich bin damals
 +in Sucre nicht ganz dahintergekommen, wieviele von diesen Jungs früher
 +drogenABHÄNGIG waren, aber es scheint der Grossteil gewesen sein. Unter
 +Drogen habe ich mir Anfangs immer harte Drogen vorgestellt, bis ich
 +dahintergekommen bin, dass es sich hauptsächlich um Kleber handelt. Die
 +Kinder waren also früher mal Kleberschnüffler. Das hat den Grund, dass man
 +durch die Benommenheit wohl keinen Hunger spürt....
 +Ich bin also in die Comunidad gekommen und wurde gleich mit offenen Armen
 +empfangen. Die Jungs sind wahnsinnig aufgeschlossen Fremden gegenüber und
 +eroberten mein Herz quasi im Flug.
 +Da ich nachmittags oben in Villa Armonia gearbeitet habe, war ich nur
 +vormittags in der Comunidad und ein typischer Tag sah so aus:
 +
 +9.00 Antritt und dann "Tareas" (Hausaufgaben)
 +11:00 Nach draussen in die Sonne und spielen bzw. zweites Frühstück
 +einnehmen (Banane oder sowas)
 +12:00 Die Jungs essen zu mittag und ich bin gegangen
 +
 +Also, wie gesagt haben wir den Tag mit den Tareas begonnen. Dafür wurden die
 +Kinder in Kleingruppen von jeweils drei oder vier Kindern mit jeweils einem
 +Erzieher aufgeteilt. Mit den Kindern, die nebenher (am Abend bzw.
 +Nachmittag) in die Schule gegangen sind, haben wir dann Hausaufgaben gemacht
 +und ihnen selber Aufgaben gestellt. (Diktate, Rechenaufgaben....).
 +Die Jungs, die sehr lange auf der Strasse gelebt hatten, und nie zur Schule
 +gegangen waren, mussten erstmal auf das normale Schulniveau gebracht werden.
 +So arbeitete ich zum Beispiel damals mit Igancio (14) zusammen und brachte
 +ihm Lesen und Schreiben bei.
 +Die Comunidad war relativ gut ausgestattet, und so hatten wir viele
 +Möglichkeiten, den Jungs auch spielerisch z.B. rechnen beizubringen.
 +
 +Die Anzahl der Erzieher hat eigentlich das ganze Jahr über variiert, ebenso
 +wie die Zahl der Freiwilligen. Üblicherweise waren wir aber genug, um in
 +Gruppen mit einer angenehmen Grösse zu arbeiten.
 +Das Centro Psicopedagogico hat traditionell sehr viel Freiwillige
 +beschäftigt, die wechselten aber sehr oft, da manche nur 3 Monate blieben.
 +Diese Freiwilligen kamen aus aller Herren Länder, Spanien, Kanada,
 +Deutschland, Holland, Schweiz, Amerika......
 +Falls ihr Probleme mit Unterbringung habt, fragt doch mal im Centro
 +Psicopedagogico an, ob es möglich ist, in einem der Freiwilligenhäuser zu
 +wohnen. Die liegen allerdings auf dem Gelände des Centro Psicopedagogicos
 +(riesige Anlage!!!), und man ist vielleicht etwas eingeschränkt. Aber wenn
 +man den engen Kontakt zu anderen Freiwilligen sucht, dann ist das eine gute
 +Lösung.
 +
 +Noch ein paar Worte zum Personal in der Comunidad:
 +In der Comunidad gab es natürlich ausser den europäischen Freiwlligen auch
 +bolivianische Erzieher,von denen man eigentich durch die Bank behaupten
 +kann, dass sie immer extrem freundlich und hilfsbereit waren. Durch meine
 +Arbeit dort habe ich z.B. meinen engsten Freund in Bolivien kennengelernt,
 +der neben der Uni im Psicopedagogico geholfen hat. Auch meine Chefin Sylvia
 +(Sempertegui) war klasse. Nach all den Erziehungsmethoden und den Erziehern
 +die ich in Bolivien kennen gelernt habe, war sie mit Abstand die
 +kompetenteste und fairste. Sie hat ihre Arbeit sehr gut erledigt, war an den
 +richtigen Stellen streng und trotz allem immer herzlich. Auch im Umgang mit
 +den Freiwilligen war sie stets um eine gute Atmosphäre bemüht und lud uns
 +zweimal zu sich nach Hause ein.
 +
 +
 +Wenn ihr mal mit den Jungs arbeitet, seid ihr natürlch nicht die ganze Zeit
 +am unterrichten. Während meiner Zeit gab es eine Menge ausserschulischer
 +Aktivitäten, bei denen sicher einemal in der Woche ein Nachmittag
 +draufgegangen ist. Darzu gehörten z.B: Volleyball Spiele, irgendwelche
 +Gottesdienste des Ordens, Ausflüge z.B.zum Fluss, Reinigung des gesamten
 +Geländes von Müll usw. Hört sich vielleicht nicht so prickelnd an, hat mit
 +den Jungs aber eine Menge Spass gemacht, und man wächst sehr schnell
 +zusammen. Eine tolle Erfahrung war auch, als ich mit den Jungs und dem
 +ganzen Centro Psicopedagogico drei Tage ins Zeltlager gefahren bin!
 +
 +Alles in allem habt ihr glaube ich den coolsten und besten Job von allen,
 +wenn ihr in der Comunidad arbeitet. Trotz des "Angestelltenverhältnisses"
 +habt ihr die Möglichkeit, etwas zu verändern (Unterrichtspläne, Thementage,
 +Spiele, Projekte, Kochen.....). Ich wurde als aktiver Teil der Erzieher
 +erachtet und nahm auch jede Woche einmal an der Betreuerversammlung teil,
 +bei der die Probleme der einzelnen Kinder und die Vorgehensweise diskutiert
 +wurde. Gerade in diesen Sitzungen bot sich die Chance, konstruktiv
 +mitzuarbeiten, und nicht nur "Befehle auszuführen".
 +Auch die Freiwilligen wurden im Centro Psicopedagogico sehr gut behandelt,
 +so wurden z.B. uns zu Ehren feste veranstaltet und der "Tag des
 +Freiwilligen" gefeiert. Auch stellte man uns immer die Räume der
 +Freiwilligenhäuser für Feste zur Verfügung, und so kam es dass ich
 +eigentlich auch ne MENGE gefeiert habe während meiner Zeit in Sucre.
 +
 +Das ist jetzt alles etwas wirr und unstrukturiert aufgeschrieben, falls ihr
 +noch irgendwelche Fragen habt, wendet Euch doch an mich! <SebastianEngel@gmx.de>
 +
 +Ansprechpartnerin im Psicopedagogico ist Charito (weiblich) mit der e-mail
 +adresse <psico@entelnet.bo> , leider aber nur auf Spanisch. Am besten in die
 +Betreffzeile "Charito" schreiben.
 +
 +Also, disfruta,
 +
 +Sebastian