CEMVA

Centro Educativo Multifuncional Villa Armonía
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Praktikumsbericht CEMVA

Im August bis Oktober 2006 arbeitete ich fast 2 Monate als Freiwillige in Villa Armonía bei CEMVA mit.


Die Kinder des Computerkurses am 2.10.06 im Innenhof der Werkstätten in Villa Armonia,
den erst Milena und Sophie, und dann Sophie und ich angeleitet hatten

Meine Aufgaben umfassten unter anderem die Weiterführung des Computerkurses von Milena und Sophie mit etwa 10 Erwachsenen und Jugendlichen. Dies war eine interessante Erfahrung für mich. Zum einen kostete es viel Vorbereitungszeit, da ich mir selber erst alles anlernen musste, was ich meinen „Schülern“ beibringen sollte. Und andererseits war das Niveau der Teilnehmer sehr unterschiedlich. Besonders angenehm fand ich die Atmosphäre im Raum. Da alle freiwillig da waren, um etwas zu lernen, herrschte eine konzentrierte Stille.

Außerdem half ich, wie die meisten anderen Freiwilligen auch, der Erzieherin Judith im comedor mit, bei den üblichen Tätigkeiten, wie Tisch decken, Essen austeilen etc.. Allerdings wurden diese Aufgaben zunehmend von den Großen übernommen, die abwechselnd zu dritt an der Reihe waren und aufpassten, dass sich die Kleineren vor dem Essen die Hände wuschen, ihren Teller spülten, sich anschließend die Zähne putzten usw.

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Kinder im Comedor (02.10.06)

Eine weitere Beschäftigung ergab sich aus der Idee, das Spielzeug, das in den Werkstätten in Villa Armonía hergestellt wird, zu verkaufen. In Villa Armonía lagern schöne Holzspielsachen, Puzzle, mathematische Spiele etc. in den Regalen, da sie im Viertel nicht verkauft werden können. Deshalb war es nahe liegend, diese Sachen in der Stadt zu verkaufen, wo es eher Leute gibt, die sie sich leisten können. Gemeinsam mit Maike (einer anderen Freiwilligen) suchten wir uns abends in der Fußgängerzone von Sucre ein Plätzchen zwischen weiteren Straßenverkäufern. Leider gehörte zu einem unserer ersten Kunden eine Polizistin in Blau, die uns daran erinnerte, dass man eine Genehmigung braucht, um dort verkaufen zu dürfen. Erst bei der dritten Verscheuchungsaktion war sie zufrieden mit unserem neuen Ort in einer Nebenstraße, an welchem wir das Spielzeug auf unserer Plastikplane ausbreiten durften. Der Verkauf lief an manchen Tagen sehr gut, an anderen hatten wir Schwierigkeiten, etwas loszuwerden. Jedes Mal machten wir wieder neue interessante Erfahrungen. Schnell hatten wir es auch raus, wie man die Vorbeigehenden am besten ansprechen musste. Sprüche hatten wir uns bei den dicken Marktfrauen abgeguckt und so versuchten wir junge Pärchen, also hoffentlich zukünftige Familien, mit „Qué vas a comprar, mamita?“ oder „Qué me vas a llevar, papito?“ anzulocken. Allerdings konnten wir die eigentliche Absicht, Menschen aus Villa Armonía zu integrieren und den Verkauf nach unserer Abreise in bolivianische Hände zu geben, leider nicht realisieren, da wir keine zuverlässige Person dafür finden konnten.

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Maike und ich in der Innenstadt Sucres beim Verkaufen des
in den Werkstätten Villa Armonias hergestellten Spielzeugs (hier am 07.09.06)

Neben diesen alltäglichen Aktivitäten gab es auch immer wieder spontane Aktionen, die wir durchführten oder unterstützten. Dazu gehörte zum Beispiel das Haare schneiden im comedor. Viele der Kinder hatten lange Haare und konnten sich keinen Friseur leisten. Da es nun wärmer wurde, schlugen Maike und ich auf eine Bemerkung von Judith hin vor, an einem Samstag Haare zu schneiden. Konnte schließlich nicht so schwer sein! Es kamen tatsächlich auch etwa 8 Kinder, darunter leider nur zwei Mädchen, bei denen es weitaus einfacher war ihnen die Haare zu kürzen. Aber letztendlich machten alle glückliche Gesichter!

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Maike und ich schnitten einigen Kindern aus
dem Comedor in Villa Armoniadie Haare (26.08.06)

Eine andere Aktion war das Hunde impfen. Das findet jedes Jahr an einem Wochenende in ganz Sucre statt und wird vom Staat finanziert. An allen Ecken wurden Hunde und Katzen gegen Tollwut geimpft, so auch in Villa Armonía. Wir halfen dem Arzt aus dem Projekt beim Spritzen auffüllen. Selber impfen lassen wollte er uns nicht, war vielleicht auch besser so, so ganz ohne Erfahrung… Es war amüsant zu sehen, wie kleine Kinder mit ihren großen Hunden kamen und versuchten sie zwischen ihren Beinchen ruhig zu halten. Oder auch die Art und Weise, wie die Katzen geimpft wurden – sie alle mussten in einem Sack gebracht werden und dann stach der Arzt einfach in die Tüte!! Anschließend wurden alle Tiere registriert und bekamen ein gelbes Bändchen um den Hals.

Am letzten Wochenende vor meiner Abreise unternahmen wir mit den Kindern aus dem comedor einen Ausflug aufgrund des „día del estudiante“, dem Tag der Schüler und Studenten. Mit etwa 50 Kindern fuhren wir in einem extra angemieteten klapprigen Stadtbus ins etwa eine Stunde entfernte „La Palma“. Dieses kleine Städtchen liegt in einem fruchtbaren Flusstal und obwohl die Regenzeit noch nicht eingesetzt hatte, konnten wir in dem teilweise einen Meter tiefen Wasser baden. Für das Mittagessen hatten Judith und die Köchinnen gesorgt und somit machten wir ein großes Picknick am Fluss. Nach einem sehr schönen Tag gab es dann bei der Rückfahrt leider ein paar Probleme mit dem Fahrer, aber trotzdem wird mir dieser Ausflug in positiver Erinnerung bleiben. Auf diese Weise konnte ich die Kinder noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen lernen und es war ein schöner Abschluss.

Während meines Aufenthaltes in Sucre hab ich viele positive Erfahrungen sammeln und eine schöne Zeit dort verbringen können. Der Abschied fiel mir schwer, aber ganz sicher führt mich mein Weg irgendwann nach Bolivien zurück!

Juliane Rieche
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