CEMVA

Centro Educativo Multifuncional Villa Armonía
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ablauf des alltags im sozialhilfebuero

nachdem ich ende juli 2006 in villa armonía angekommen, und die wohnungsfrage endlich geklaert hatte, konnte es endlich losgehen. nach meiner ankunft hat frau hochmann voller begeisterung realisiert, dass ich sozialarbeit studiere und mir erstmal die arbeit im buero fuer sozial- und rechtsbeistand ans herz gelegt. Ich entschloss diese herausforderung anzunehmen und so fuehrte mein erster weg in diesem riesigen projekt den steinigen berg hinaus zu einem dunklen buero vor dem 2 fein angezogene maenner standen. die maenner waren roberto und jose, zwei einheimische anwaelte die das buero leiteten. beide waren fuer das ausstellen von ausweisen und fuer kostenlose rechtsberatung zustaendig. jose kuemmerte sich ausserdem um die gerechte verteilung von lebensmitteln und um die verwaltung der ¨caja chica¨. ie caja chica ist ein gelddepot von 500 bolivianos monatlich, die fuer krisen und gesundheitshilfe zur verfuegung steht. ich entschloss schnell, dass kjoses arbeitsteil mich weitaus mehr interessiert als robertos und so begleitete ich von nun an jose bei seiner arbeit. hauptsaechlich bestand diese daraus, die weinenden und hilfesuchenden anzuhoeren, mit ihnen ihre haeuser und lebensumfelder anzuschauen und dann zu entscheiden wie man ihnen helfen koenne. eines morgens erzahlte frau hochmann mir, dass jose nicht mehr kommen wuerde. er seie mit seiner freundin durchgebrannt und habe ausserdem geld und dokumente verschiedener leute mitgenommen.

es war wohl naheliegend, dass ich die sozialhilfe nun alleine organisieren und durchfuehren sollte. etwas ueberfordert mit der verantwortung stellte ich mich also der herausforderung und mein alltag als wirkliche hilfe im projekt begann. von nun an ging ich alleine von haus zu haus und hoerte mir die traurigen geschichten der menschen an. ausserdem musste ich mich nun dem problem stellen, alleine ueber den hilfsumfang zu entscheiden. die erste zeit alleine mit soviel verantwortung war wirklich sehr anstrengend und ich haette mir gewuenscht eine helfende erfahrene hand an meiner seite zu wissen. denn da ich ja eigentlich eine hilfe sein wollte, wollte ich auch nicht mit jedem problem zu frau hochmann laufen. ich versuchte also nur mit den allergroessten problemen zu frau hochmann zu gehen und die entscheidungen weitgehend alleine zu treffen. so war ich natuerlich auch fuer fehler und irrtuemer zustaendig. ich konnte mich aber sehr schnell in die arbeit einfinden und aus ueberforderung wurde spass. ich hatte selten eine aufgabe, die mir soviel spass machte, trotz oder vielleicht gerade wegen der verantwortung.

im endeffekt bin ich sehr froh, mir unter all den bereichen in diesem vielseitigen projekt gerade diesen ausgesucht zu haben.

Maike Stoever maike.stoever@gmx.de, 7.12.2006