CEMVA

Centro Educativo Multifuncional Villa Armonía
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Liebe Freunde in Deutschland,

Die erste Jahreshälfte war bei uns im Projekt sehr ereignisreich:

Das Schulfrühstück bestreitet vom Kindergarten an bis zur fünften Volksschulklasse der Bürgermeister, von der sechsten bis zur zehnten Klasse bekommen die Schüler ihr Schulfrühstück von der deutschen Spendenhilfe. Es wurde in ganz Bolivien vier Wochen lang von den Lehrern wegen Gehaltserhöhungsforderungen gestreikt. Wir gehörten zu den wenigen Schulen, die in der Streikzeit weiter unterrichtet haben. Aus verwaltungstechnischen Gründen stellte das Bürgermeisteramt die Schulspeisung ein, so daß wir in dieser Zeit auch die Schüler der unteren Klassen mit Schulfrühstück versorgen mußten.

Der Schülermittagstisch ist von 40 bedürftigen Kindern im Vorjahr auf 60 Kinder angewachsen. Zusammen mit den Erwachsenen Teilnehmern ( Freiwillige, CEMVA und Schulpersonal) sind 75 Personen zu verköstigen; wobei die Schüler 1 Bs und die Erwachsenen 3 Bs als „contraparte“ zu der Spende aus Deutschland beitragen. Wir haben in diesem Jahr zwei Küchenfrauen, zwei bolivianische Erzieherinnen, zwei Zivildienstleistende und eine Freiwillige zur Betreuung der Kinder und ihrer Hausaufgaben zur Verfügung. Die Kinder werden in zwei Schichten betreut. Der neue Eßsaal, Dank der 3650 US Spende von dem Verein „Aktion Kinderhilfe Münster“ zur Hälfte benutzbar, ist sehr funktionell. Ende des Jahres wird er ganz fertiggestellt sein und mit weiteren 5 großen Tischen und 40 Stühlen im Wert von ca. 1000 US ausgestattet werden müssen. Es wird nun die Miete für ihn gespart, da er Eigentum der Gemeinde ist. Dreimal in der Woche findet in dem Raum Alfabetisationsunterricht statt. Auch kann Gottesdienst in ihm gehalten werden.Wir sind sehr dankbar für diese Hilfe aus Deutschland.

Ein staatlich bezahlter junger Zahnarzt ist uns für ein Jahr zugewiesen worden. Wir hoffen, daß er seine Arbeit ernst nimmt. Zunächst nehmen wir seine berechtigten Ansprüche zur Kenntnis im Bewußtsein, daß unser Behandlungszimmer noch sehr dürftig ausgerüstet ist. Unterdessen warten aber schon 80 % unserer Schüler auf eine Zahnbehandlung. Wir danken ganz herzlich für die zahnärztlichen Materialien,die uns vom Verein „Jugend- und Sozialarbeit in Bolivien“ in Höhe von 1.500 US für dieses Jahr zugestanden wurden und für den Beitrag von 2 500 US zu einem Zahnarztstuhl vom Verein „Bolivianisches Kinderhilfswerk“.

Im Kinderhaus sind dieses Jahr z.Z. 65 Kinder eingeschrieben, davon 11 Babies bis zu einem Jahr, die von zwei Küchenfrauen, einer Reinmachfrau, 6 Erzieherinnen und zwei Freiwilligen betreut werden. Dank der Erhöhung der monatlichen Unterstützung von 300 auf 400 US und einem Überbrückungsbeitrag für das Personal, das seit Dezember keinen Lohn mehr vom „Programa Pan“ erhält, konnten wir die Kindertagesstätte weiterführen. Vielen herzlichen Dank! Der monatliche Elternbeitrag soll von 20 Bolivianos auf 25 angehoben werden. Dafür wollen aber mache Mütter ihre Kinder statt um 8 Uhr morgens schon um halb acht bringen, um noch rechtzeitig zu ihrer Arbeit zu kommen. Dank der fantasievollen Basteleinfälle der Freiwilligen ist das Kinderhaus ganz besonders bunt geschmückt. Wir ringen weiter mit dem Bürgermeister, der, wie es auch in anderen Städten Boliviens der Brauch ist, die Bezahlung des Personals von über 40 Kinderkrippen übernehmen soll. Er behauptet aber bisher, daß er kein Geld dafür habe.Unser multifunktionelles Bildungszentrum wächst und wächst und gibt über 1500 Menschen die Möglichkeit sich zu bilden oder darin zu arbeiten, aber auch beides in einem. Es wird in den verschiedenen Gebäuden von Bolivianern geleitet, denen das CEMVA-Büro zur Beratung und Hilfe zur Verfügung steht.

Eigenleistungen bei der Instandhaltung der Gebäude und Inneneinrichtungen sind immer dringlicher geworden. So helfen die Frauenwerkstätten, das Personal des Kinderhauses und die Schüler beim Streichen der Wände, Fenster, Türen, Tische und Bänke mit und lernen: „la unidad hace la fuerza“ (Stärke durch Einigkeit ); auch ist man im Laufe der Jahre stolz auf gut in Stand gehaltene Gebäude.

Alle Deutschen, die in CEMVA mitarbeiten, haben dies bis jetzt zum großen Teil ehrenamtlich getan. Verglichen mit anderen Organisationen ist dies eine ganz besondere Situation. Zivis und Freiwillige (insgesamt 14 z.Z.) machen die einzigartige Erfahrung für andere zu arbeiten und nichts dafür zu bekommen, kein Wohnen, kein Essen, kein Taschengeld….. jedoch als Gegenleistung: Arbeitsmaterial, Kontakte, Gedankenaustausch, Freundschaften, das Zutrauen von Kindern und Erwachsenen.

Da die zentrale Leitung von CEMVA nach und nach in bolivianische Hände übergehen sollte, d.h. bezahlten, professionellen Ganztageseinsatz erfordert, habe ich dieses Jahr bei den Vereinen „Bolivianisches Kinderhilfswerk“ und „Bolivienhilfe“ Anspruch auf eine Entschädigung für den Leitungsposten gestellt, den ich z.Z. noch innehabe, aber abzugeben bereit bin, sobald eine geeignete Kraft gefunden wird.

System, Struktur, Abgrenzung, bei gleichzeitiger Öffnung gegenüber den vielseitigen sozialen Problemen, Kontaktaufnahme mit nationalen und internationalen Hilfsorganisationen, ein ständiges Gespräch mit allen, die am CEMVA- Geschehen teilnehmen, keine Geheimnisse, das ist unsere gemeinsame Marschroute.

Es werden rund 30 000 US im Jahr für laufende Kosten benötigt: Schulfrühstück, Kinderkrippe, Schülermittagstisch, Instandhaltungskosten, Verwaltungskosten, Werkstättenmaterial., Sonderausgaben für extreme Sozialfälle u.a.m.

Unsere ca. 3000 m2 bebaute Infrastruktur wird durch den anstehenden Werkstättenbau, beim BMZ beantragt, (Metall-Mechanik - Schreinerei - Elektro-Werkstatt) abschließend noch um ca 1 800 m2 bereichert werden. Sämtliche Gebäude wurden der Gemeinde übergeben, die für Strom- und Wasserkosten aufkommt.

Wir stecken immer wieder in Bauarbeiten, die viel Zeit und Nerven kosten.

Durch Gelder, die wir vom bolivianischen Staat, Privatspendern und einer Spende vom Verein „Aktion Kinderhilfe Münster“ erwirtschaften konnten, wird bis Ende des Jahres der Komplex „Comedor Escolar y 4 Aulas“ ( ca.400 m2) fertiggestellt und Dank der Hilfe von Schreinermeister Ralf Betz aus Karlsruhe und einem Beitrag in Höhe von 5000 US aus dem Hilfsfond der deutschen Botschaft in La Paz, eingerichtet sein.

Zugleich sind die Vorarbeiten zum Werkstättenkomplex für Schreinerei, Metall-Mechanik und Elektrizität in Form von Errichtung einer 50 m langen und 4 m hohen Stützmauer in vollem Gange. Im Kinderhaus ist mit vereinten Kräften von staatlicher Hilfe und privaten Spendengeldern aus Deutschland ein weiterer 28 m2 großer Spielraum samt Einrichtung für unsere Kinder der Tageskrippe entstanden.

Das Kindermissionswerk in Aachen hat uns geholfen die Bauarbeiten zu bewältigen, die noch am 6 Klassenbau vom Jahre 1999 ausstanden; dafür sind wir sehr dankbar.

Als ich vor 3 Jahren die Sternsinger in Deutschland erlebte, wußte ich noch nicht, daß sie auch für unsere Bildungsarbeit in Villa Armonía gesungen haben.

Beaufsichtigung der Bauarbeiten, Einkauf und Verwaltung von Baumaterialien, vertraut mit lokalen Hilfsquellen, Elektriker, Chofeur, Sportler, bekannt auf den verschiedenen Ämtern, erfolgreich in der Herstellung von wertvollen Kontakten aller Art, diesen weitreichenden Aufgabenbereich deckt seit kurzem Mario Claros ab, 40 Jahre alt, ehemaliger Angestellter in einem langjährigen Schweizer Beforstungsprojekt, z.Z. auch Gemeindevorsteher. Er ist ein unentbehrlicher, zuverlässiger Mitarbeiter geworden, dessen Gehalt zunächst mit in die Rubrik der Bauausgaben fällt, der jedoch als späterer Verwalter des im Bau befindlichen Werkstättenkomplexes in Frage kommt.

Die Geschenkkartenhersteller haben sich über die Aufträge aus Mauth, Koblenz und Wendlingen gefreut und lassen herzlich danken!

Im Namen der Gemeinde Villa Armonía und der Lehrer- und Schülerschaft, auch im Namen der Freiwilligen und Zivildienstleistenden allen Freunden in Deutschland den aller herzlichsten Dank für die große Hilfe, die CEMVA ein Bildungszentrum werden läßt, in dem zu arbeiten und zu lernen es Spaß macht und dessen Ziel es ist, gegen die Armut und Unwissenheit im Land anzukämpfen.

Karen Hochmann

Coordinadora CEMVA