CEMVA

Centro Educativo Multifuncional Villa Armonía
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Sucre, November 2001

Liebe Freunde in Deutschland,

als die Attentate in New York, Washington und Pittsburg vor unseren Augen geschahen, kamen hier ganz unterschiedliche Gefuehle zum Ausdruck. Einer der aktuellen Bauernfuehrer, Felipe Quispe (El Malku), riet den Aymara-Bauern, vor Freude zu tanzen. Er wurde von kompetenten Fernsehsendern scharf kritisiert. “Ueberall mischen sich die Nordamerikaner ein, muessen den Ton angeben, lassen arme Laender, wie Bolivien, nach ihrer Pfeife tanzen. Wir muessen machen, was die Nordamerikaner wollen, nur weil sie das Geld haben,” sagte ein Taxifahrer.

Ich fuehle mich betroffen. Als Team achten wir daher sehr darauf, dass unsere Arbeit gemeinsam bedacht wird und jeder Zeit eingesehen werden kann. Aller Schriftverkehr wird aktenmaessig aufbewahrt und monatliche Versammlungen zeugen von dem staendigen Bemuehen, allen Projektbeteiligten die Zusammenhaenge und das Projektganze im Entwicklungsgeschehen immer wieder erneut vor Augen zu stellen, um die gemeinsame Verantwortung zu bedenken, zu hinterfragen und kompetente Vorschlaege und Meinungen einzuholen und in die Tat umzusetzen.

Was die Arbeit unserer 8 Werkstaetten betrifft, so haben wir bis jetzt nur 2 der 5 angeforderten staatlichen Planstellen fuer Lehrer bekommen. Es ist muehsam, Jahr fuer Jahr bei, aus parteilichen Gruenden, staendig wechselndem Schulamtspersonal die berechtigten Forderungen neu zu stelllen. Unsere Werkstaetten sind zufriedenstellend ausgeruestet und werden, in dem Masse wie ihre Aufgaben wachsen, staendig neu bedacht und mit dem noetigsten Material versorgt. Dank der Hilfe aus Deutschland, dem Oel im Getriebe, sind die Werkstaetten gut besucht und erfuellen ihre Aufgabe, Jugendliche auf das Berufsleben vorzubereiten. Wir haben ein Ringheft ueber den Werkstaettenunterricht angefertigt, ausgestattet mit zahlreichen Fotografien, um vor allem bei den massgeblichen bolivianischen Behoerden die Einforderung der fehlenden Planstellen zu rechtfertigen; auch haben wir Fotokopien von den bestehenden Vertraegen und Inventarlisten beigefuegt; aus letzteren geht hervor, dass es nicht an Einrichtungsgegenstaenden fehlt. Wir konnten diese Dokumentation dem Vizeminister fuer “Educación Alternativa” persoenlich ueberreichen und hoffen fuer das Jahr 2002 die angeforderten Planstellen zu bekommen. Seit einem Jahr haben wir, Dank der Grundstueckspende vom Buergermeisteramt, der Unterstuetzung der Vereine “Bolivienhilfe” und “Bolivianisches Kinderhilfswerk”, einen eigenen, vierklassigen Kindergarten der vormittags und nachmittags, im Schichtunterricht, 210 Kinder betreut. Die quechua-sprachige Bevoelkerung hat ihm den Namen “Sumaq´Rikch´ariy” (Schoenes Erwachen) gegeben. Er hat einen wunderschoenen Kinderspielplatz mit zwei Rutschbahnen, zwei Dreimann-Schaukeln, drei Reckstangn, drei Hangelgeruesten mit einem Kletterhaus, einem Karussel und einer Gartenanlage. Zum groessten Teil konnte der Kinderspielplatz aus vereinsgebundenen Spenden eingerichtet werden. Er bietet unseren Kindern ein grosses Vergnuegen und dabei viel sportliche Betaetigung. Im Namen der Kinder, des Kindergartenpersonals und der Elternschaft den aller herzlichsten Dank!

Schon muss bei der wachsenden Schuelerzahl wieder an neue Klassenraeume gedacht werden. Ueber dem Rohbau des Schuelermittagstischgebaeudes werden, diesmal vom Staat finanziert, vier weitere Klassenraeume entstehen. Einer davon ist fuer den schon laufenden Computerunterricht gedacht. Allerdings sind wir auf Computerspenden angewiesen (Empfaenger: “Bolivienhilfe e.V.”). Unsere total veralteten Modelle muessen dringend ausrangiert werden. Die Nachfrage, den Computerunterricht betreffend, ist gross. Dieses Jahr half uns ein Amerikaner vom “Peace-Corp” beim Computerunterricht aus. Der Elektrizitaetsunterricht, von dem freiwilligen Ernesto Sarria begonnen, wird von Armando Aricoma, einem privat bezahlten bolivianischen Lehrer weitergefuehrt, da bei den Schuelern grosses Interesse fuer dieses Fach besteht.

Anbei die ersten Freiwilligenberichte und das von Stefan Pabst und Christoph Olivier ausgearbeitete Triptico. Bisher haben sich alle sechs neuen Freiwilligen im Projekt eine Arbeit gesucht, lernen fleissig Spanisch und sind soweit zufrieden. Die Abschiedsfeier von Joerg Hoffmann, dessen Freiwilligenjahr abgelaufen ist, war ein gelungenes “Familienfest” im Kreis der bolivianischen Mitarbieter, die mit zahlreichen Programmnummern die deutschen Freiwilligen ueberraschten und zum Mitmachen aufforderten. Dank sei den Eltern in Deutschland, die diesen Austausch ermoeglichen und so zur Entwicklungsarbeit und zur Verstaendigung zwischen zwei Voelkern beitragen.

Kanadische Schwestern der katholischen Kirche zeigen Interesse, innerhalb unserer Projektlage ein Internat fuer Maedchen einzurichten. Dieser Beitrag kaeme unserer Erziehungs- und Bildungsabsicht sehr entgegen. Schule und Werkstaetten stehen fuer die zukuenftigen Internatsinsassen bereit, ebenso das Anwesen, in dem z.Z. behelfsmaessig der Schuelermittagstisch stattfindet und das zum Verkauf angeboten wird.

Die Buergermeistereien der grossen Staedte im Land sind in letzter Zeit bestrebt, kirchliche, private, staatliche oder gemeindeeigene Organisationen, die sich fuer Kinder- und Jugendlichbetreuung einsetzen, untereinander in Kontakt zu bringen. Unser Verein “CEMVA” ist der Gruppe: “Winay”, “SOS-Kinderdorf”, “Oqharikuna”, “Plan Internacional”, “Centro Juana Azurduy de Padilla” und “Tika” angeschlossen.

In diesem Jahr kam unserer Arbeit vom Buergermeisteramt eine Ehrung zu, deren feierlicher Akt von zahlreichem Publikum aus Villa Armonía mitvollzogen wurde. Wir haben allen Grund, dankbar zu sein fuer das Einverstaendnis zu allen unseren Bemuehungen. Die wesentliche Hilfe von japanischer Seite aus sei nicht vergessen. Durch den zweijaehrigen Einsatz der Japanerin Hiroko Kazama, die $80.000 US ueber die Organisation Hika beantragte und zur Verfuegung gestellt bekam, konnten 1999 die dem Projekt “CEMVA” angeschlossenen produktiven Frauenwerkstaetten in Villa Armonía gebaut und eingerichtet werden.

Erfolgreich wurde von dem Jurastudenten Eduard Gareca, unter der Obhut von CEMVA das von dem Verein “Aktion Kinderhilfe Muenster” finanzierte Projekt: “Gratis Geburtszeugnisse fuer 150 arme Familien” durchgefuehrt. Genannter Verein hat auch zur Fertigstellung des Kindergartens beigetragen. Vielen Dank!

Den Vereinen “Bolivianisches Kinderhilfswerk” und “Jugend- und Sozialarbeit in Bolivien”, die zusammen mit ca. $30.000 US jaehrlich die laufenden Kosten des Bildungsprojektes decken, und es auf diese Wiese tragen, ebenso vielen, vielen Dank! Dank den langjaehrigen, treuen Privatspendern! Sie machen die noetigen “Extras” moeglich. Dank dem Verein “Bolivienhilfe”, der die Freiwilligen vermittelt, den Bau des Kindergartens mitverantwortet und die Planung der technischen Werkstaetten vorangetrieben hat.

Mit Windeseile geht es auf das Jahresende zu. Wir wuenschen Euch eine schoene Vorweihnachts- und Weihnachtszeit. Auch im Namen der Bewohner von Villa Armonía und aller Personen, die durch Eure Hilfe hier taetig sein koennen, wiederholten Dank, gute Wuensche zum neuen Jahr und viele herzliche Gruesse!