CEMVA

Centro Educativo Multifuncional Villa Armonía
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Liebe Freunde in Deutschland,

CEMVA besteht nun schon vier Jahre und ist Dank Eurer Hilfe schnell gewachsen. Die Schule fing im Februar 1994 in einer Schreinerwerkstatt mit 49 Einschreibungen an. 1995 waren es schon 136 Schüler. 1996 wuchs die Schülerzahl auf 346, und dies Jahr wurden in zwei Schichten 3 Vorschulklassen,5 erste Klassen, 3 zweite Klassen, 2 dritte Klassen, 2 vierte Klassen und 2 fünfte Klassen mit insgesamt 520 Schülern unterrichtet. 1998 rechnen wir mit ca. 700 Schülern und dem Angebot einer Mittelstufe, um dann in den kommenden Jahren den Oberschulabschluß anbieten zu können. Warum so hoch hinaus? Leider ist die hiesige Schulbildung mit der deutschen nicht zu vergleichen. Der häufige Schulausfall aus den verschiedensten Gründen ergibt zuletzt ein Abitur, das mit der Mittleren Reife in Deutschland zu vergleichen ist und als Sprungbrett für den Erwerb eines ordentlichen Handwerks unentbehrlich ist.

Mit der Schulbildung wird bei uns eine handwerkliche Ausbildung gekoppelt sein. Ab nächstem Jahr können wir mit Räumlichkeiten, Handwerkszeug und Lehrern versehen, den Zwölf- bis Vierzehnjährigen das Erlernen der Grundkenntnisse im Schreinerhandwerk bieten. Die Mädchen haben schon in diesem Jahr die Möglichkeit gehabt, an den Näh- und Strickkursen der Frauen, die an drei Nachmittagen der Woche stattfinden, teilzunehmen.

Japan wird uns in dieser Hinsicht sowohl mit dem Bau von drei Werkstätten:

Nähen, Stricken und Lederarbeit, als auch mit der Anschaffung diesbezüglicher Maschinen und der Verfügungstellung einer leitenden Kraft mit großer Wahrscheinlichkeit zur Seite stehen. Die Werkstätten sollen auf dem Kinderhausgelände, vom Verein Jugend und Sozialarbeit in Bolivien erworben, auf ca. 200 m2, zweistöckig, im kommenden Jahr entstehen.

Das Bürgermeisteramt zeigt in letzter Zeit Interesse daran, den Bau der weiterführenden Schule zu analysieren und Umschau nach dem geeigneten Grundstück dafür zu halten. Dezentralisierung ist das Schlagwort. Im Stadtinneren von Sucre liegt häufig eine Schule neben der anderen, während die Stadtrandbewohner weite Wege zu ihnen zurücklegen müssen.Auch ist der Bürgermeister seit kurzem der Meinung , ‘Complejos Educativos’wären zu schaffen, vorzüglich am Stadtrand. Da liegen wir auf der richtigen Linie mit unserem ‘Centro Educativo Multifuncional’.

Tatsächlich sind beim Nachsehen der Schülereinschreibungslisten 16 Stadt- viertel zu verzeichnen, aus denen sich unsere Schülerzahl zusammensetzt. Über 7 km Entfernung müssen von manchen Schülern überwunden werden. Auch in der Erwachsenenbildung kommen die Frauen aus allen umliegenden Gemeinden.

Durch den Beitrag von Karel Mikulasek am Bau des Kinderhauses, die beiden

deutschen Zivildienstleistenden und die Japanerin Hiroko beginnt es bei uns auf den Feldern langsam international zu werden. Die Eigendynamik, die das Projekt entwickelt hat, gibt Gelegenheit zu vielen verschiedenen Ansatzpunkten, so daß immer wieder Nachfragen sowohl von Institutionen als auch von Privatpersonen kommen, ob eine Mitarbeit möglich wäre.

Seit Anfang August ist die Krankenschwester Miriam Berdeja durch eine Spendergruppe aus Wuppertal unter Vertrag genommen, was den Einstieg des Projektes Kellog-Uni bei uns zur Folge hatte, das die Einrichtung der vier zur Verfügung stehenden Sanitätsräume übernahm und nun dahin wirken will, daß wir eine Planstelle für einen Arzt und für die Krankenschwester bekommen.

Es hat sich immer wieder gezeigt, daß Anfänge durch Gemeindeinitiative und deutsche Spendenhilfe möglich gemacht werden müssen, um hiesige Institutionen zum Mit- und Weitermachen einzuladen. Folgende Institutionen wirken heute am Projekt mit: Das Bürgermeisteramt Sucre, die örtliche Schulbehörde, das Gesundheitsamt, Projekt Kellog Uni, Plan International, CIDIS, zuständig für alle Kinderkrippen in Sucre und die Vereine Jugend- und Sozialarbeit in Bolivien, Bolivianisches Kinderhilfswerk und Bolivien-Hilfe (Vermittlung von Zivis). Außerhalb der Institutionen sind die Privatspender zu nennen, unter ihnen auch Schulen und Gemeinden, die mit ihrer Hilfe das Öl im Getriebe sind und die Situationen mit abdecken, die nicht in die Vereinssatzungen passen, oder von den Vereinsgeldern nicht voll beglichen werden konnten.

Das Projekt bietet z.Z. 45 Arbeitsplätze! Die Hilfe aus Deutschland hat zur Überbrückung 5 Angestelltenlöhne übernommen, 28 Planstellen für Lehrer und Erzieherinnen stellt der Staat, 8 Arbeitsplätze bieten die unabhängigen Schreiner- und Spielzeugwerkstätten, 4 Bauarbeiter sind durch Plan International im Brot. Durch die Bauarbeiten, das Kinderhaus betreffen, waren zusätzlich 12 Bauarbeiter beschäftigt. Durch den Werkstättenbau werden weitere 12 Bauarbeiter unter Vertrag genommen werden. Ca. 50% der bisherigen Bauarbeiten wurden von der deutschen Hilfe abgedeckt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Projektarbeit einer beachtlichen Anzahl von Menschen zugute kommt und durch ihre Fortentwicklung weitere Arbeitsplätze schaffen wird, vorausgesetzt, daß die Zusammenarbeit mit den deutschen Spendern anhält.

Immer deutlicher wird jetzt aber die Notwendigkeit einer allgemein anerkannten institutionalisierten und finanzierten Direktion . Der Schulleiter, der sich ‘Director CEMVA’ nennt, hat weder seine zweischichtig laufende Schule ganz im Blick, geschweige die verschiedenen Werkstätten, die Backstube, das Kinderhaus, das Gesundheitszentrum, die Beaufsichtigung und die Verwaltung der Bauarbeiten, die anlaufende Sozialarbeit, die Betreuung der Zivildienstleistenden, die zweisprachige Auslandskorrespondenz und die Buchführung samt der Abrechnungen. Bisher habe ich als ‘Coordinadora’ des Projektes die Gesamtschau gewährleistet und bin Anlaufspunkt für alle sich ergebenden Kontakte. Immer wieder weise ich die hiesigen Behörden jedoch darauf hin, daß eine Planstelle für die Koordinationsarbeit geschaffen werden muß. Die Autoritäten stehen meinem Ansinnen bisher hilflos gegenüber. Der Beruf eines Projektleiters in interinstitutionaler und internationaler Vorstadtentwicklung ist noch nicht vorgesehen.

Beigefügter Ortsplan macht die Lage der bestehenden Projektgebäude und die Planung weiterer Projektgebäude deutlich.

Den Zivildienstleistenden Nicolai Siegel und Philipp Menzel vielen Dank für ihre unentgeldliche Zusammenarbeit! Ebenso den allerherzlichsten Dank allen Spendern, die uns unterstützen und Vertrauen schenken, so daß der mittellosen Migrantenbevölkerung eine Hilfe zur Selbsthilfe gegeben werden kann.

Mit vielen Grüßen

Karen Hochmann