CEMVA

Centro Educativo Multifuncional Villa Armonía
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Liebe Freunde in Deutschland,

wenn auch viele von Euch erst am Jahresende ein Zeichen von uns erhalten, so seid Ihr doch durch Eure Spenden das ganze Jahr über auf unseren “Feldern” gegenwärtig und wir versäumen es nicht, bei allen diesbezüglichen öffentlichen oder privaten Anlässen, den Dank an Euch auszusprechen.

Das Jahr 1998 hat wieder verschiedene Veränderungen im Projekt CEMVA (Centro Educativo Multifuncional Villa Armonía) mit sich gebracht. Dank Eurer Hilfe konnte sich das Projekt vergrößern und rückte in den Interessensbereich der Universität und der öffentlichen Komunikationsmittel.

In diesem Jahr können wir daher folgende Aspekte aufweisen:

1. Eine Schule mit 750 Schülern, vom Kindergarten bis zum sechsten Schuljahr, inklusive einer Schulspeisung.

2. Ein Kinderhaus mit 50 “Tages-Kindern”, darunter zwölf Babies von 1-2 Jahren und 38 Zwei- bis Fünfjährige. Die Ausstattung des Hauses konnte in diesem Jahr noch erweitert werden.

3. Ein Gesundheitszentrum mit einer Arzt- und zwei Krankenschwesterplanstellen.

4. Eine Volksapotheke, die zugleich Raum für den Verkauf von Schulmaterial bietet.

5. Eine Strickwerkstatt mit 30 Schülerinnen von 14-40 Jahren, deren Werkraum im März diesen Jahres übergeben wurde.

6. Eine japanische Fachlehrerin in “Maroquinería”, die im Oktober eingetroffen ist, wird noch in diesem Jahr mit dem Unterricht in Lederarbeiten beginnen.

7. Eine Nähwerkstatt.

8. Eine vergrößerte Spielzeugwerkstatt.

9. Die improvisierte Bäckerei hat noch bis zum September funktioniert, mußte dann leider vorerst eingestellt werden.

10. Es konnte die zweite Bauphase der Sportplatzanlage in Angriff genommen werden, für deren Vollendung man jedoch noch 4.000 US$ benötigt.

Desweiteren konnten 120m² Bürgersteig und ein Abstellraum für die Schule fertiggestellt werden.

11. Der angelegte Gemeindepark wächst langsam heran.

12. Die Neugründung des hiesigen Vereins “CEMVA” ist eine willkommene Unterstützung.

13. Die Einrichtung eines Büros mit Computer, das jetzt auch über E-mail (cemva@mara.scr.entelnet.bo) und Fax (00 591-64-51 805) zu erreichen ist.

14. Die beiden ersten Zivis Nicolai Siegel und Philipp Menzel wurden mittlerweile von den Neuen Christoph Behl, Stefan Kringel und Leander Bindewald abgelöst.

15. Der gemeinsame Mittagstisch für die Mitarbeiter des Projektes aus den verschiedensten kulturellen Umfeldern ist eine gut und gern angenommene Komunikationsmöglichkeit.

Um die Erfolge, aber auch die Probleme der gemeinsamen Projektarbeit des Jahres 1998 genauer vorzustellen, sollen nun Mitarbeiter der verschiedenen Bereiche zu Wort kommen.

Teresa Almendras - Directora “Unidad Educativa Villa Armonía”

Seit März 1998 bin ich Direktorin der “Unidad Educativa Villa Armonía”, habe aber erst im August diesen Jahres mein volles Gehalt bekommen. Unsere 750 Schüler aus den umliegenden Stadtteilen werden in zwei Schichten, d.h. vormittags und nachmittags unterrichtet. Es fehlen uns noch immer die Planstellen für eine Sekretärin, einen Hausmeister, eine Handarbeitslehrerin und eine Musiklehrerin. Trotz häufigen Lehrerwechsels hat sich eine gute Atmosphäre im Lehrerkollegium herausgebildet. Die Freiwilligen, Philipp und Nicolai, haben mit der Verwaltung der Schulspeisung, dem Verkauf von Schulmaterial, dem Einziehen des Brotgeldes, dem Ausarbeiten von Schüler und Elternlisten und dem Ordnen der Bibliothek wesentlich zur Erleichterung der Verwaltungsarbeit beigetragen. Unser Dank gilt ihnen und allen Spendern in Deutschland, die die vorläufige Einstellung der o.g. Personen, z.T. auch nur halbtägig, die Anschaffung von didaktischem Schulmaterial, und vor allem aber die Schulspeisung ermöglichen. Die Unterstützug der schulischen Belange, wie die Ausbesserungsarbeiten an den Gebäuden und die Ausrüstung mit Telefon, Fernseh- und Videogerät, Musikanlage u.a.m. durch die deutschen Spendengelder, ist uns eine unentbehrliche Hilfe. Vielen Dank für den Bürgersteig, den Abstellraum und den Beitrag zur zweiten Bauphase des Sportplatzes.

Mit vielen Grüßen

Teresa Almendras

Felicidad Leandro - i.V. für die Erzieherinnen des Kinderhauses

Wir sind fünf Erzieherinnen, eine Köchin und eine Putzfrau im Kinderhaus und betreuen 12 Babies und 38 Kinder von zwei bis fünf Jahren. Unsere Arbeit beginnt morgens um acht und endet abends halb sieben, wenn die letzten Kinder von ihren Müttern abgeholt werden. Das Kinderhaus ist eine staatliche Einrichtung. Unser Lohn von 250 Bs (75 DM) wird “Beca” (Stipendium) genannt. Wir haben kein Anrecht auf Vergünstigungen wie z.B. Weihnachtsgeld, Abfindung oder Bonus, welche das Arbeitsrecht selbst einem einfachen Arbeiter zugesteht. Wir haben alle unsere Kleinkinder bei uns im Kinderhaus. Durch die Hilfe aus Deutschland ist unseres das besteingerichtete Kinderhaus der ganzen Stadt. Es fehlt uns weder an Platz noch an Spielzeug. Auch das Essen, das zum Teil von der Hilfe aus Deutschland unterstützt wird, ist immer gewährleistet. Eine große Arbeitserleichterung bietet uns ebenfalls die Waschmaschine, die in diesem Jahr von deutschen Spendengeld angeschafft wurde. Für all dies und die monatliche “Gehaltszulage” (30 DM pro Person) möchten wir uns im Namen der Kinder, der Eltern und des Personals bedanken.

Felicidad Leandro - Antonia Coa - Paulina Cruz - Josefina Terrazas - Sofía Cayo

Dr. Alejandro Arancibia – Arzt im Gesunheitszentrum Villa Armonía

Ein Jahr haben wir im Gesundheitszentrum Villa Armonía ohne ein angemessenes Gehalt gearbeitet und auf unsere feste Anstellung warten müssen. Im August diesen Jahres erhielt das Zentrum endlich 3 Planstellen für einen Arzt und zwei Krankenschwestern, sowie den Vertrag für eine Putzfrau. Täglich kommen für zwei Stunden Studenten des fünften Semesters der Medizin und Biochemie mit ihren Dozenten, um ein Praktikum in der Gemeinde zu absolvieren.

Das “Centro de Salud” ist in den regionalen Gesundheitsdienst eingegliedert und erfüllt alle diesbezüglichen Programme. Es funktioniert seit August 1997 dank der Räume, die die deutsche Hilfe zur Verfügung stellt und dank der Einrichtung durch das Projekt “Uni”. Unsere Hilfe kommt vorwiegend der verarmten Stadtrandbevölkerung zugute. Allen Spendern in Deutschland, die unsere Arbeit wohlwollend begleiten, vielen Dank im Namen des Personals und der Patienten.

Dr. Alejandro Arancibia

Philipp Menzel - Zivi

Dank der deutschen Spendenhilfe steht ein strategisch günstiger Verkaufsraum für die “Volksapotheke” und zugleich den Schreibwarenladen zur Verfügung. Die Inbetriebnahme war nur durch ein Anfangskapital von 5.587 Bs (ca. 1.800 DM) aus der Spendenkasse möglich. So betreiben wir seit Ende März 1998 die einzige “Volksapotheke” in Sucre und können sagen, sie läuft so gut, daß die Anzahl und Auswahl der Medikamente stetig vergrößert, der Preis niedrig gehalten und die Anleihe langsam zurückgezahlt werden kann. Eine bolivianische Apothekerin, mit langjähriger Erfahrung, prüfte den Halbjahresbericht und erklärte unsere Arbeit für in Ordnung und fortführungswürdig.

Philipp Menzel

Nicolai Siegel - Zivi

Es wäre gut, wenn eine bezahlte Kraft die Führung des Kinderhauses übernehmen könnte, da zur Zeit die große Verantwortung für 12 Babies und 38 Zwei- bis Fünfjährige allein von berufsunerfahrenen, jungen Müttern mit Abitur getragen wird. Sie sind mit einem elfstündigen Arbeitstag völlig überbelastet und mit 250 Bs (75 DM) im Monat unterbezahlt. Daß diese Arbeit, die vor allem die Mütter aus der Gemeinde entlastet, überhaupt weitergeführt wird, ist nur aus der großen Arbeitslosigkeit heraus zu erklären.

Nicolai Siegel

Hiroko Kazama – Fachlehrerin in Lederarbeiten

Ich bin am 5. Oktober diesen Jahres als Freiwillige der Vereinten Nationen nach Sucre in den Stadtteil Villa Armonía gekommen, um den zweiten Bauabschnitt der Werkstätten, die dem Kinderhaus angegliedert sind, mit japanischer Finanzierung weiterzuführen und Jugendliche aus Villa Armonía und den umliegenden Gemeinden in Lederarbeiten zu unterrichten. Die Einrichtung der Leder-, Strick- und Nähwerkstätten wird von Japan unterstützt. Ich möchte mit dem Verein “CEMVA” zusammenarbeiten, um dazu beizutragen den Lebensstandart der zugewanderten Landbevölkerung zu heben.

Hiroko Kazama

Ciprian Puma – Leiter der Spielzeugwerkstätten

In der untersten Etage des Jugendhauses arbeiten wir als Verantwortliche der Spielzeugwerkstatt im Familienverband, d.h. meine Frau Candelaria, mein Bruder David und ich zusammen mit der Hilfskraft Esther Quiroga. Die Einrichtung der Werkräume wurde durch die deutsche Spendenhilfe ermöglicht.

An Aufträgen fehlt es nicht, wohl aber jedesmal an dem nötigen Investitionskapital. Mit unseren kleinen Maschinen geht die Arbeit nur langsam voran, auch sind wir Autodidakten. Candelaria hilft zusätzlich beim Verkauf in der “Volksapotheke”, die zugleich Schreibwarenladen ist. Für die Möglichkeit zur Mitnutzung der Küche und des Gemeinschaftsraumes im Jugendhaus sind wir sehr dankbar.

Ciprian Puma

Karen Hochmann – “Coordinadora CEMVA”

Als “Coordinadora” des Projektes drehe ich täglich meine Runde, um zu sehen, ob überall das nötige “Öl” im Getriebe ist. Dank Eurer Hilfe steht es uns bisher immer zur Verfügung. Oft hilft auch eine gemeinsame Beratung weiter. Wir versuchen immer wieder, mit vereinten Kräften, die hiesigen Behörden, Institutionen und die Gemeindemitglieder zur Mitarbeit zu bewegen, was auch mit viel Mühe gelingt. Vor allem brauchen wir mehr staatliche Planstellen, sowohl in der Schule, als auch in den Strick-, Näh- und Lederwerkstätten. Diesbezügliche Anträge sind wiederholt gestellt worden.

Der Kindergarten muß dringend aus der Schule ausquartiert werden. Der Bürgermeister hat neben der Schule ein Bauland zur Verfügung gestellt, damit dort der Kindergarten, eine Bäckerei und ein Gemeindesaal entstehen können. Wir werben weiter um die finanziellen Mittel für die erste Bauphase. Durch die Einnahmen der zukünftigen Bäckerei, hoffen wir eines Tages die genannten Gebäude, an Hand eines Vertrages mit dem Bürgermeisteramt, selbst unterhalten zu können.

Die Gründung des hiesigen Vereins “CEMVA” ist hervorzuheben. Der Vereinsvorstand setzt sich aus 2 Studienrätinnen, einer Fremdsprachenlehrerin, einer Apothekerin und einem Volkswirt zusammen, die dem Projekt mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Besonderen Dank den beiden Zivildienstleistenden Nicolai Siegel und Philipp Menzel, die sich unentgeltlich für das Projekt eingesetzt haben.

Im Namen des Gesundheitszentrums, der Werkstätten, des Kinderhauses, der Schulleitung und des Gemeindesrates den aller herzlichsten Dank für Eure unentbehrliche, treue Hilfe aus Deutschland.

Karen Hochmann

“Coordinadora CEMVA”