CEMVA

Centro Educativo Multifuncional Villa Armonía
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Liebe Freunde in Deutschland,

Im Jahresbericht 1999 kommen wieder verschiedene Stimmen zu Wort, die die Vielschichtigkeit der Projektarbeit des Vereins CEMVA deutlich werden lassen.

Prof. Miriam Bohorquez de Arce – Vizepräsidentin des Vereins “CEMVA”

Als Vizepräsidentin des Vereins CEMVA möchte ich meine Zufriedenheit über die Arbeit, die im Jahre 1999 geleistet wurde, zum Ausdruck bringen.

Das Direktorium hat sich ordnungsgemäss versammelt, um die neuen Projekte zu planen und den Fortschritt zu analysieren. Wir haben durch den Bau einer 22-m-langen Stützmauer die Anlage des Sportplatzes vorbereitet, haben einen Schülermittagstisch, mit Hausaufgabenbetreuung ins Leben gerufen, ein Projekt, das derzeit 30 Kindern zugute kommt, zudem wurde mit dem Rohbau von 6 Klassenräumen begonnen und die Mauer für die letzten 50 m Schulgrundstücksumzäunung konnte errichtet werden.

Uns kam die grosse Hilfe der deutschen Freiwilligen zu, die auf den verschieden Gebieten ihre wirkungsvolle Mitarbeit eingesetzt haben.

Da sich die Umgebung von Villa Armonia in einem Entwicklungsprozess befindet, wachsen die Bedürfnisse von Tag zu Tag. Hoffentlich können wir im Jahre 2000 den Schülermittagstisch weiterführen und den Sportplatz fertigstellen, ebenso die Feinarbeit in den 6 Klassenräumen, können mit dem Bau des Kindergartens beginnen und die neuen Räume mit Schulmöbeln versehen. Unser tiefer Dank richtet sich an alle Institutionen und Privatspender, die uns ihre freimütige Hilfe zukommen lassen und die Verwirklichung der Projektarbeiten in Villa Armonia möglich machen.

Mit grosser Freude konnten wir die Näh-, Strick- und Lederwerkstätten einweihen. Der Bau wurde von Hiroko Kazama in Zusammenarbeit mit Stefan Kringel beaufsichtigt und verwaltet und von der japanischen Regierung finanziert.

Hervorzuheben ist die gute Schulleitung von Teresa Almendras, die Durchfürhung der Schulspeisung und die hilfreiche Zusammenarbeit seitens der deutschen Freiwilligen.

Im Jahr 1999 betrugen die laufenden Unterhaltungskosten des Projekts ca. 27.000 US$.

Prof. Miriam Bohorquez de Arce

Teresa Almendras - Directora “Unidad Educativa Villa Armonía”

Die Schule Villa Armonía möchte im Namen der Kinder ihren tiefen Dank für die ständige Hilfe zum Ausdruck bringen.

Die überwiesenen Gelder tragen dazu bei, die Bedürfnisse der schulischen Einrichtung zu befriedigen. Genannt werden soll das Schulfrühstück, Ausbesserungsarbeiten und Unterhaltung der Schule, Anschaffung von Schulmöbeln und didaktischem Material sowie der Bau der neuen Aulas und die Unterstützung des Pförtners und des Musiklehrers. Die Abrechnungen werden von Frau Karen Hochmann ordnungsgemäss entgegengenommen. Ich möchte die Initiative, Kreativität und den guten Willen der deutschen Freiwilligen hervorheben, deren Einsatz den besten Eindruck auf unsere Schüler macht und der uns bei schulischen Verwaltungsangelegenheiten eine grosse Hilfe ist.

In der Hoffnung, dass die Unterstützung weiter gehen kann, vor allem was die Anlage des Schulsportplatzes, die Fertigstellung der 5 Klassenräume und die Unterstützung des Hausmeisters sowie Musiklehrers anbetrifft.

Mit vielen Grüssen

Hochachtungsvoll

Teresa Almendras

Josefina Terrazas - i.V. für die Erzieherinnen “Casa del Niño”

Im Namen des Personals und der Kinder vom Kinderhaus (“Casa del Nino”) möchte ich ganz herzlich für die uneigennützige Hilfe aus Deutschland danken. Wir sind auf sie angewiesen, damit die Kinder Spielzeug haben, die Ernährung durch Obst, Fleisch und Gemüse verbessert werden kann, und es nicht an Geld für die nötigen Reiningungsmittel und Hygieneartikel, die Ausbesserungsarbeiten am Gebäude und den Ersatz von Küchengeräten und Geschirr fehlt. Wir sind stolz, eine der bestausgerüsteten Tagesstätten in Sucre zu sein. In diesem Jahr haben wir 12 Babys auf der Kleinkinderstation und 34 Kinder von 2 bis 6 Jahren betreut. Noch einmal vielen Dank! In der Hoffnung, daß die Unterstützung im kommenden Jahr weitergeführt werden kann, mit vielen Grüßen

Josefina Terrazas

Hiroko Kazama – Direktorin der multifunktionalen Ausbildungswerkstätten

Im Oktober diesen Jahres konnte der Werkstättenbau abgeschlossen werden. Am 21. Oktober fand die Einweihung im Beisein des Bürgermeisters von Sucre und des japanischen Botschafters statt. Die Fertigstellung des ersten Bauabschnittes zu Beginn des Jahres erlaubten es den Strick- und Nähwerkstätten seit Anfang des Jahres den Unterricht in eigenen Räumen aufzunehmen. Anfang November wird ein Kurs in Lederarbeiten beginnen.

In der Strickwerkstatt werden z.Zt. 30 Strickerinnen von einer aus deutschen Spendenmitteln bezahlten Lehrerin erfolgreich ausgebildet. Die Nähwerkstatt hat mit der vom Staat bezahlten, improvisierten Lehrerin weniger Erfolg vorzuweisen. Für das nächste Jahr brauchen wir dringend fähige Lehrer mit staatliche Planstellen. Da die staatlichen Gehälter jedoch sehr gering sind, wäre es angebracht von Spendengeldern je nach Leistung einen Bonus auszuzahlen.

Das Leistungsstand der Lehrer sowie der Schüler muß angehoben werden, um ein Produktionsniveau zu erreichen. Ich möchte beim Werkstättenbau die große Hilfe von dem Zivildienstleistenden Stefan Kringel hervorheben. Ebenso die Hilfsbereitschaft von Leander Bindewald.

Hiroko Kazama

Ciprian Puma – Leiter der Spielzeugwerkstatt

In diesem Jahr konnte die Produktion durch Anschaffung einer Schleifmaschine zwar verbessert werden, aber die Aufträge sind wegen der allgemeinen finanziellen Krise im Land zurückgegangen. Spielzeug ist Luxus! Zum Jahresende hoffen wir noch einen Vertrag mit der Institution „Pan“ abschliessen zu können. Die meisten staatlichen Kindergärten könnten unser Spielzeug gut gebrauchen. Ihnen fehlen aber die Mittel zur Anschaffung.

Ciprian Puma

Elisabeth Schaper - Freiwillige

Dietmar Zeiler und Jörg Schimmel - Zivis

Seit Mitte August besteht der “Comedor Escolar”, der insgesamt 30 Kindern im Alter von 5 – 12 Jahren die Möglichkeit der Hausaufgabenbetreuung, sowie eines Mittagessens bietet. Sie entrichten dafür monatlich ca. 1,70 DM, mit denen allerdings die Kosten nur zu 10 % gedeckt werden können. Der Rest wird über Spendengelder finanziert, ohne welche diese Facette des Projektes nicht möglich wäre.

Wir versuchen mit dem Comedor die Notstände in der schulischen und sozialen Entwicklung der Kinder anzugehen, die in den überfüllten Klassen von den überforderten Lehrern nicht gelöst werden können. Daher haben wir mit Hilfe der Direktorin die Kinder nach den Kriterien schulische Leistung und Armut ausgewählt.

Momentan ist der Comedor noch provisorisch in gemieteten Privaträumen untergebracht. Er beschäftigt eine bolivianische Köchin und Pädagogin, die mit uns drei Freiweilligen (Elisabeth, Dietmar und Jörg) gemeinsam die Kinder von 10.30 – 14.30 Uhr betreuen.

Die geplante Erweiterung dieses Projektes ab nächstem Schuljahr ist aufgrund einer grösseren Gruppe von vernachlässigten Kindern dringend nötig. Durchführbar ist der “Comedor Escolar 2000” aber nur mit angemessenen Räumlichkeiten und mind. einer boliviansichen pädagogisch-ausgebildeten Kraft. Die finanziellen Mittel stehen hierfür leider noch nicht zur Verfügung.

Elisabeth Schaper, Dietmar Zeiler und Jörg Schimmel

Stefan Kringel - Zivi

Die Volksapotheke in Villa Armonía

Auch in diesem Jahr können wir wieder auf eine positive Bilanz unserer Volksapotheke verweisen. In dem zweiten Jahr ihres Bestehens konnte sie ihr Angebot weiter ausbauen bzw. selektionieren und somit eine höhere Wirtschaftlichkeit erreichen. Es wurden die Anzahl spezieller Medikamente, die nicht regelmässig oder nur sehr selten verschrieben werden, im Bestand reduziert und neue wichtigere Medikamente aufgenommen.

Eine weitere grosse Hilfe ist, dass durch den Verein für Jugend- und Sozialarbeit in Bolivien der ausstehende Kredit für das Startkapital getilgt werden konnte. Durch diese Massnahmen konnte eine durchgehende und gesicherte Entgeltung für unsere Verkäuferin Candelaria Sustacha de Puma gewährleistet werden.

Ebenfalls wurde der Neubau eines kleinen Verkaufsraumes direkt neben dem Gesundheitszentrum finanziert. Dieser konnte nun Ende Oktober bezogen werden.

So funktioniert die Volksapotheke heute finanziell unabhängig und bietet nicht nur den Patienten des Gesundheitszentrums eine bessere Versorgung, sondern hat auch einen neuen Arbeitsplatz für eine junge Bolivianerin geschaffen.

Stefan Kringel

Leander Bindewald - Zivi

Im bisherigen Jahr meines Zivildienstes bei C.E.M.V.A. habe ich versucht unter anderem mit einem Seminar, unter der Leitung eines englischen Sozialwissenschaftlers, der Gemeinde die Rolle des Vereins „Centro Educativo Multifuncional Villa Armonía“ (C.E.M.V.A.) klar zu machen, um die Beziehungen und die Zusammenarbeit vor allem mit dem Gemeindevorstand zu verbessern. Es ist jedoch sehr schwer, Leute, die meist noch darum kämpfen, ihre persönliche Lebenssituation über die Armutsgrenze zu heben, zu mitverantwortlichem Wirken im Rahmen des Projektes zu bringen.

Der Bau des “Complejos Educativo III” mit Kindergarten, Räumlichkeiten für die Volksküche und einem Multifunktionssaal, für den bereits beim Bundesamt für wirtschaftliche Zusammenarbeit Gelder beantragt wurden, wird eine erhebliche Belastung für das laufende Projekt darstellen.

Wird in Zukunft die Projektleitung nicht durch die Einsetzung eines professionellen Projektleiters umstrukturiert, kann das momentane Wachstum nicht beibehalten und können geplante Ziele mittelfristig nicht mehr durchgesetzt werden.

Leander Bindewald

Dra. Marcela Hamel - Zahnärztin

Die Karies ist eines der häufigsten Probleme unserer Bevölkerung, vor allem bei den Einwohnern mit geringem Einkommen. Die Armut und die fehlende Hygienegewohnheiten bedingen, dass der Patient erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Karies zur Behandlung erscheint. Eine Untersuchung hat gezeigt, dass 78 % der Kinder von klein auf Karies haben.

Die Zahnarztpraxis von Villa Armonia, dem Gesundheitszentrum angegliedert, dankt dem Projekt CEMVA für die Zurverfügungstellung der nötigen Räumlichkeiten, die durch eigene Mittel der bis Dezember 1999 unter Vertrag stehenden Zahnärztin ausgestattet wurden und nun wieder leer stehen werden. Ebenso waren das Instrumental und Material geliehen.

Ich habe festgestellt, dass die Zahnbehandlung in Villa Armonia dringend nötig ist. Eine internationale Hilfe für die Anschaffung eines komplett ausgerüsteten Behandlungsstuhles, zudem von Instrumenten und einem Sterilisierungsapparats ist dringend erforderlich( ca. 4.000 US$). Ebenso braucht die finanzschwache Bevölkerung eine Unterstüzung, um die Zahnbehandlung in Anspruch nehmen zu können.

Dra. Marcela Hamel

Dr. Alejandro Araneibia – Chef des Gesundheitszentrums

Das Gesundheitszentrum Villa Armonia führt alle Programme der departamentalen Gesundheitsfürsorge aus, und hebt so die Lebensqualität einer der ärmsten Zonen der Stadt. Innere Medizin, Pediatrie, Gynäkologie, Geburtshilfe und Zahnbehandlung werden angeboten und von einer Volksapotheke mit niedrigen Preisen unterstützt. Es wird dringend ein Sterilisierungsapparat für ca 800 US$ benötigt.

Mit Dank für die Zusammenarbeit

Dr. Alejandro Araneibia

Lic. Oscar Villa Trigo – Bürgermeister von Sucre

Das Projekt CEMVA wurde von Anfang an vom Bürgermeisteramt durch die Zurverfügungstellung von Grundstücken, Baumaterial, technischer Beratung und die Bezahlung von Unterhaltskosten von Strom, Wasser und Telefon unterstützt.

Seinerseits dankt das Bürgermeisteramt den Spendern in Deutschland für die finanzielle Hilfe und den menschlichen Einsatz. Es dankt auch für die wirkungsvolle Mitarbeit des Direktoriums des Vereins CEMVA, durch die ein Modelprojekt im Norden der Stadt Sucre möglich geworden ist, das der herzugewanderten Vorstadtbevölkerung zugute kommt.

Lic. Oscar Villa Trigo

Karen Hochmann – 1. Vorsitzende des Vereins „CEMVA“ und Koordinatorin der Projektarbeiten

Wir befinden uns mit dem Direktorium und den Freiwilligen aus Deutschland in einem ständigen Dialog, um unsere Arbeit diesseits und jenseits des Atlantiks verantworten zu können.

Die protokollierten Direktoriumsversammlungen finden oft zweimal im Monat statt, da wir uns durch vielseitige Kontakte und Dank Eurer steten Unterstützung in einem fortlaufenden Wachstum befinden.

Die große Verantwortung besteht in der Ausfindigmachung und Koordinierung von ortsgebundenen und internationalen Kräften, es dreht sich um die Aushandlung von Verträgen und die Bemühung ihrer Einhaltung, es handelt sich um Entwicklungspolitik auf privater und öffentlicher Ebene, die gewissenhaft dokumentiert sein will, deren Verwaltung einen immer größer werdenden Umfang einnimmt. Die vielen Versammlungen auf verschiedenen Ebenen sind Einübung in demokratische Verhaltensweisen. Diese Arbeit ist nur in einem Koordinatensystem möglich, das gemeinsam erstellt, durch eine leitende Kraft aufrecht erhalten werden muß.

Die Projektleitung kann aus diesem Grund in Zukunft nicht mehr ehrenhalber zugemutet werden. Sie ist rechtmäßig zu honorieren, wenn das Projekt, das als Vorstadtentwicklungsprojekt bezeichnet werden kann, weiterlaufen soll.

Es ist mit weiteren fünf Jahren Projektarbeit zu rechnen, um die nötige Infrastruktur für eine integrale Ausbildung unserer Schüler zu erreichen. Noch fehlen ein Schulsportplatz, Werkstätten für Werkunterricht in Holzbearbeitung, Elektrizität, Metallmechanik und Flaschnerei, es fehlen ein Kindergarten, Räumlichkeiten für Hausaufgabenbetreuung und einen Mittagstisch für Sozialwaisen, auch ein „Salon Multifuncional“.

Im Namen der Bevölkerung von Villa Armonia und den Nachbarorten vielen Dank an alle, die in dem Projekt CEMVA mitwirken. Ganz besonderen Dank den Freunden in Deutschland, auf deren Hilfe wir auch im neuen Jahr angewiesen sind.

Mit vielen Grüssen aus Villa Armonia

Karen Hochmann