CEMVA

Centro Educativo Multifuncional Villa Armonía
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CEMVA Jahresbericht 2004

Abkommen

Der Verein CEMVA hat im Laufe der letzten 10 Jahre viele Abkommen zusammen mit dem Bürgermeisteramt, dem Gesundheitsamt, dem Schulamt, der Präfektur und dem Gemeinderat unterzeichnet. Es handelt sich dabei immer um eine interinstitutionelle Zusammenarbeit, wobei durch deutsche Hilfe die Infrastruktur und Ausstattung in sozialen, erzieherischen und gesundheitsfördernden Einrichtungen erbracht wird, während das Bürgermeisteramt für Strom, Wasser und Telefon samt Instandhaltung der Gebäude zuständig ist. Das Schulamt und das Gesundheitsamt sollen die nötigen Planstellen garantieren, aber können es oft nicht. Die Kindertagesstätte ist ein Beispiel wie in Zusammenspiel von Präfektur, Bürgermeisteramt, geplanten Beiträgen des Vereins Jugend- und Sozialarbeit in Bolivien&; und Sonderspenden eine beständige Hilfe für arbeitende Mütter gewährleistet werden kann. Die Gemeindevertretung ist das schwächste Glied in der Kette. Sie wechselt zu oft, ausserdem mangelt es ihren Mitgliedern an der nötigen Schulbildung und Einsatzbereitschaft, um den vielfältigen Aufgaben gerecht werden zu können. Sie stützt sich dankend auf die Zusammenarbeit mit CEMVA!

Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden

Um die Nachbargemeinden in die Hilfe aus dem Ausland mit einzubeziehen, wurden Kontakte mit der deutschen Botschaft in La Paz hergestellt, deren Kulturfond bereits zwei benachbarte Schulbauten in Villa Armonía B und Alegría mitfinanzierte. Private Spenden machten die Verteilung von jeweils zehn Dreiersitzbänken an bisher sechs leerstehende Gemeindesäle möglich. Als Gegenleistung wurden die nötigen Tische gekauft und so entstanden in Villa Armonía A, Villa Armonía B, Barrio Kanada, San Luis, Munaypata, Horno Kasa und Bartolina Sisa neue oder erweiterte Jugendzentren, zum Teil mit Material aus der Spielzeugwerkstatt und den dazugehörigen Schränken ausgestattet.

Versammlungen

Es finden Versammlungen statt, an denen die Direktoren der Vor-und Nachmittagschule, des Kindergartens, so wie Abgeordnete des Elternbeirats, Vertreter des Gemeinderates von Villa Armonía und anderen Vororten, Verantwortliche des Jugendzentrums und der Gemeindebibliothek, des Schülermittagstisch, die Sozialarbeiterin und Mitglieder vom Verein CEMVA und den Frauenwerkstätten teilnehmen, um gemeinsame Anliegen zu besprechen und zu koordinieren. Es geht um Aufgabenverteilung, Sicherheitsmassnahmen, Schulleistungen, Hilfe aus dem Ausland, Projektausarbeitung, Abrechnungen, Information über die jeweiligen Tätigkeiten in den verschiedenen Teilprojekten, interinstitutionelle, gemeinsame Anliegen, gegenseitiges Kennenlernen, Üben im Austausch von Gedanken, Planung von gemeinsamen Aktionen, Gesundheitsmassnahmen u.a.m. Der aus fünf Mitgliedern bestehende CEMVA-Vorstand, in dem ich erneut zur Vorsitzenden gewählt wurde, mit Schwester Rose-Anne Rouseau, als Vertretung der katholischen Kirche, Prof. Arsenio Yucra, ehemaliger Schulrat, Victoria Ruiz de Molina, Direktorin der Frauenwerkstätten und Lic. Carlos Sabat, einem Privatunternehmer, tagt satzungsgemäss mindestens einmal im Monat, von Sondersitzungen abgesehen. Auch finden im CEMVA-Büro täglich Besprechungen aller Art statt.

Es geht um Kommunikation, Transparenz, Mitdenken, gegenseitige Hilfestellung.

Verwaltung

Das CEMVA-Büro ist ein vielgefragtes Kontaktzentrum. Dank der eingeübten Sekretärin sind gefragte Schriftstücke wie Anträge, Abkommen, Antwortschreiben, Projektformulierungen, Einladungen, Baupläne, Abrechnungen u.a.m. sofort verfügbar. Gebührende Entlohnung für Verwaltung, Rechts- und Sozialberatung wird bei dem komplexen Projekt im Haushaltsplan 2005 in stärkerem Masse mitbedacht werden müssen.

Lehrwerkstätten

Die technischen Lehrwerkstätten, Schreinerei und Elektrizität, deren Bau und Inbetriebnahme drei Jahre lang eine grosse Belastung für CEMVA darstellten, gehen möglicherweise mit einem entsprechenden, rechtsgültigen Vertrag an den Verein CIS über, sobald dieser eine rechtliche Grundlage in Bolivien gefunden hat, um für ihre Verwaltung und zweite Bauphase aufzukommen. Wir bemühen uns darum, dass die Schulbehörde in Zukunft Lehrpläne und Abgangszeugnisse für die neuen Werkstätten verantwortet.

CEMVA konnte Arbeitsaufträge für die fortgeschrittenen Schreinerlehrlinge beschaffen, so dass „Lernen durch Arbeit“ und ein kleine Entlohnung möglich waren.

Durch die Hilfe des Missionswerk in Aachen konnten die Frauenwerksätten um zwei Räume und deren Ausstattung erweitert werden. Die GTZ machte uns eine Computerspende, so dass wir jetzt Friseur- und Computerunterricht geben können und zugleich einen Raum für den Alfabetisationsunterricht haben.

Eine Bäckerei, noch auf privater Basis, wurde durch den Unterricht von Bäckermeister Günther Schultz aus Bremerhaven ( Senioren Experten Service ) mit neuen Backverfahren vertraut gemacht. Ihm gilt unser Dank. Sie soll in Zukunft als Backlehrwerkstatt mit in das Werkstättenprojekt aufgenommen werden. Ein deutscher Bäckergeselle wird gesucht, der seinen Zivildienst hier ableisten kann. In der modern eingerichteten Bäckerei, mit sieben Arbeitsplätzen, lernen z.Z. vier unserer Oberschüler das Bäckerhandwerk.

Freiwillige

Einen wertvollen Beitrag zur CEMVA-Arbeit leisten Freiwillige aus allen Teilen Deutschlands. Z.Z. arbeiten 3 Mädchen im Kinderhaus und ein Zivi und ein Freiwilliger im Comedor Escolar mit. Zwei Zivis sind in den technischen Werkstätten tätig. Eine weitere Freiwillige ist als Schneiderin den Frauenwerkstätten zugeteilt. Den Jugendlichen, ihren Eltern und Verwandten sei von Herzen für alle Anteilnahme an der Bildungsarbeit zugunsten der Migrantenbevölkerung im Norden von Sucre gedankt.

Kinderhaus, Schülermittagstisch, Schulspeisung

Von dem Verein Jugend und Sozialarbeit in Bolivien mit jährlich 14 700 US unterstützt, laufen, wie im vergangenen Jahr, die obengennannten sozialen Einrichtungen mit den gewohnten Schwierigkeiten weiter. So wurden erst in der letzten Aprilwoche, nachdem die Erzieherinnen der ganzen Stadt protestierend auf die Strasse gegangen waren, die niedrigen Arbeitslöhne von Januar, Februar und März, diesmal vom Bürgermeisteramt nicht von der Präfektur, ausbezahlt. Zum Glück springt in Villa Armonía, wie im letzten Jahr, eine Geburtstagsspende aus Deutschland helfend ein. Das entstandene Defizit des Schülermittagstisch versuchen wir durch eine Sonderhilfe, die uns das Bürgermeisteramt zugestandt, auszugleichen. Die Schulspeisung geht in diesem Jahr bis zum zehnten Schuljahr. Sie wird in der ganzen Stadt bis zum fünften Schuljahr vom Bürgermeisteramt abgedeckt.

Eine Sozialarbeiterin und eine Kinderhausverwaltungskraft konnten Dank der Unterstützung duch den Verein Bolivianisches Kinderhilfswerk unter Vertrag genommen werden. Das Wirken der Sozialarbeiterin, auch für die Nachbargemeinden, ist von unschätzbarem Wert. Zwei schwere Pflegefälle kamen schon durch ihre Hilfe in entsprechende Heime. Die Verwaltungskraft im Kinderhaus führt zur Aufbesserung ihrer geringen Entlohnung einen kleinen Schulmaterialverkauf und bedient das Fotokopiergerät.

Gesundheitswesen

Mit dem Gesundheitsamt kam, nach einer schweren Geburt, ein weiterer Vertrag zu stande, in dem Anfang des Jahres leider nur eine Halbtagsplanstelle für einen Zahnarzt garantiert werden konnte. Wegen dem häufigen, politisch bedingten Personalwechsel, war es nicht möglich, fundierte Projektanträge einzureichen; trotzdem kommt eine gewisse Hilfe den beiden Zahnärztinnen zugute, von denen die eine halbtags mit Planstelle und die andere halbtags ohne eine solche arbeitet. Es geht vor allem um den Medikamenteneinkauf, damit den Schülern durch niedrigere Preise eine rechtzeitige Zahnbehandlung ermöglicht werden kann; auch erhält die Nachmittagskraft einen kleinen Bonus.

Der vom bolivianischen Gesundheitsamt gespendete, unbenutzbare Zahnarztstuhl, der ein halbes Jahr auf die Installierung seines hydraulischen Systems im Wert von ca. 600 E wartete, konnte mit deutscher Hilfe endlich eingerichtet auch mit einem Spucknapf und einer entsprechenden Lampe versehen werden.

Die ehemalige Volksapotheke wurde versuchsweise ganz in das Gesundheitszentrum umverlagert. Ihr Ertrag war zu niedrig, um den geringen Lohn einer Angestellten gewährleisten zu können. D.h. sie wird jetzt von dem Personal des Gesundheitszentrums verwaltet, jedoch mit der nötigen Oberaufsicht von CEMVA.

Jugendzentrum, Bibliothek

Im Gemeindesaal von Villa Armonía wurde, dank der Initiative von einem Zivildienstleistenden, ein Jugendzentrum eingerichtet, das jetzt von zwei angelernten Ortskräften weitergeleitet wird. Bis Ende Dezember ist durch eine Sonderspende der Arbeitsvertag von zwei Erzieherinnen gedeckt. Auch eine gegen Einbruch und Diebstahl schützende Mauer um den Gemeindesaal konnte von dieser Unterstützung gebaut werden; zugleich entstand ein Auslauf für Kinder, der schon bepflanzt worden ist. Er soll noch mit Turngeräten versehen werden. Ergänzt wird die Betreuung der zahlreichen Schulkinder durch eine von einem französischen Verein gespendete Bilbliothek, in der eine ganztags vom Bürgermeisteramt angestellte Bibliothekarin und eine halbtags von CEMVA unter Vertrag genommene, pensionierte Lehrerin tätig sind.

Femexpo

Ende Mai fand eine Kunsthandwerk- Austellung in Sucre statt, an der unsere Werkstätten teilnahmen. Wir boten Strick- und Lederwaren, Holzspielzeuge, handgemachte Kunstkarten, Lampen und Backwaren an.

Lehrermangel an der Gesamtschule - Oberschulbau

Im ganzen Land herrscht seit jeher grosser Lehrermangel, so auch an unserer Schule, die in diesem Jahr, samt Kindergarten, auf mehr als 1600 Schüler angewachsen ist. Der Verein Bolivianisches Kinderhilfswerk, die Elternschaft, Veranstaltungen und Sonderspenden tragen ein Scherflein dazu bei, den aller nötigsten Unterricht zu halten. Die Schulgebäude reichen nicht mehr aus. Es muss an den Bau einer Oberschule gedacht werden, die für den Norden der Stadt Sucre zuständig ist und die weiten, kostspieligen Busfahrten in das Stadtzentrum erübrigt.

Ein diesbezügliches Gemeindegelände von 10 000 m2, neben der neuen Kirche von Villa Armonía, ist dafür bereits vorhanden,Verhandlungen sind im Gange.

Dank

Wir haben, trotz mancher Schwierigkeiten und einiger Rückschläge, anerkannten Erfolg mit unserer CEMVA-Arbeit. Sie schliesst sich den bestehenden staatlichen Institutionen an, unterstützt sie und gibt ihnen Impulse, überlässt jedoch den Einheimischen die Führung. Schwierigkeiten ergeben sich zum grossen Teil aus dem häufigen, politisch bedingten Personalwechsel in den öffentlichen Ämtern, einer undurchsichtigen, lähmenden Bürokratie und mangelnder Dialogmöglichkeiten mit den zuständigen Autoritäten. Allen Spendern, Vereinsmitgliedern und Vereinsvorsitzenden, auch den Jugendlichen aus Deutschland vielen herzlichen Dank für das Möglichmachen dieser gemeinsamen Marschroute, zu der sich umliegende Stadtviertel und die Kirche mitbekennen. Der einst ländliche, spärlich besiedelte Vorort, Villa Armonía, hat sich, dank der Hilfe aus Deutschland, innerhalb von elf Jahren in einen bevölkerten Stadtteil mit sozialen Einrichtungen verwandelt. Im Namen der quechuasprachigen Vorstadtbewohner ganz besonderen Dank!

Karen Hochmann (per email am 10.11.2004)!!!