CEMVA

Centro Educativo Multifuncional Villa Armonía
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Karen Hochmann

Sucre, Juli 2005

Liebe Freunde in Deutschland,

Wie schnell geht ein halbes Jahr vorbei! Bei meinem kurzen Deutschlandaufenthalt konnte ich Kontakt mit dem Vorstand Jugend und Sozialarbeit in Bolivien aufnehmen und für die treue zwanzigjährige Hilfe danken. Ebenso fand eine Aussprache mit den Vorsitzenden des Vereins Bolivianisches Kinderhilfswerk statt, denn beide Vereine zusammen machen seit 1993 die ständig wachsende Bildungs- und Sozialarbeit in einer vom Land herzugezogenen quetchuasprachigen Bevölkerung im Norden von Sucre möglich.

Die Unruhen, von denen Ihr gehört und gelesen habt, sind etwas abgeklungen seit der Präsident Carlos Mesa abgedankt hat und der neue Präsident Eduardo Rodrigues Veltzé an die Regierung gekommen ist.. Die grosse Kluft zwischen arm und reich, zwischen gebildet und ungebildet besteht mit latentem Sprengstoff fort.

Technische Lehrwerkstätten

Seit September letzten Jahres zwingen die 2003 entstandenen Lehrwerkstätten für Schreinerei und Elektrizität - ein Wertobjekt von 250.000 Euro - zu Überlegungen was ihre Verwaltung und Führung anbetrifft. Zahlreiche Versammlungen mit allen beteiligten und mitverantwortlichen Institutionen (der Gemeinde, dem Bürgermeisteramt, der Präfektur, dem Schulamt, den Vertretern der Zona Norte Sucre, den Direktoren der Schule und mit Vertretern des Vereins Bolivien-Hilfe - dem deutschen Träger des Werkstättenprojektes) wurden abgehalten. Das Schulamt genehmigte daraufhin entsprechend dem im Projektantrag angegebenen Projektziel erstmalig drei Planstellen für die Educación Alternativa dieser Werkstätten und erfüllte damit die Vertragsbedingungen eines Ende 2003 unterzeichneten Vertrages. Das Schulamt wird daher nach jüngster Übereinkunft zusammen mit dem Bürgermeisteramt, der Präfektur, CEMVA und der Vertretung der ZONA Norte für die technischen Werkstäntten zuständig sein, denn die Werkstätten sind auf Gemeindeland erbaut. Der öffentliche Charakter der Lehrwerkstätten bleibt auch in Zukunft gewahrt.

Werkstätten für Hand- und Maschinestricken, Lederarbeiten, Schneiderei, Friseurausbildung, Kochen und Backen und Herstellung von Sportanzügen.

Zum ersten Mal sind aus Deutschland Aufträge für Strick-und Lederwaren im Wert von 400 US-Dollar eingegangen. Beim Versand helfen uns vielleicht heimkehrende Freiwillige mit. Dank der Unterstützung des Kindermissionswerk in Aachen haben wir Raum und Einrichtung für den Friseurunterricht, der grossen Anklang findet.

Werkstättenprodukte aus Villa Armonía werden in Deutschland beachtet. Zwei Aufträge im Wert von je 200 US-Dollar für Strick- und Lederwaren für Eine-Weltläden sind eingegangen. Wir nehmen gern weitere Aufträge entgegen.

Freiwillige

Vier Freiwillige arbeiten bei uns mit: im Kinderhaus, in der Volksapotheke, beim Schülermittagstisch und beim Computerunterricht, auch sind sie für das Bildmaterial verantwortlich, das nach Deutschland geschickt wird. Sie machen zuverlässige Botengänge, geben Computerunterricht, spielen mit den Kindern Fussball und planen ihre weitere Ausbildung in Deutschland. Wir sind sehr dankbar für ihre Mitarbeit.

Schülermittagstisch

Schülermittagstisch - eine begehrte Einrichtung - bedeutet für inzwischen 80 Schüler ein warmes gehaltvolles Essen mit Getränk und Nachtisch. Der Beitrag beträgt 1,50 Bs (0,15 Euro), in 26 Fällen kann er nicht aufgebracht werden, so dass diese Kinder eine beca (Beihilfe) erhalten. Dabei berücksichtigen wir Familien mit mehreren Kindern, Halbwaisen, Vollwaisen und Sozialwaisen, auch krankheitsbedingte Verarmung.

Unsere Sozialarbeiterin Yovana Muñoz garantiert die diesbezügliche Information und Regelung.

Kinderhaus

Kinderhaus bedeutet Tageskrippe für Babys und Kinder bis zu fünf Jahren, deren Mütter arbeiten gehen müssen oder gestorben sind. Noch immer ist noch nicht abschließend geklärt ob das Jugend- oder Bürgermeisteramt für die Personalkosten aufkommen. 250 Bs. Lohn im Monat entsprechen 25 Euro. Einmalige Geburtstagsspenden aus Deutschland waren die letzten Jahre ein Trostpflaster und sind es auch teilweise in diesem Jahr noch. Eine einmalige Solidaritätsspende für das Personal vom Kinderhaus ist immer hochwillkommen.

Wir achten auf Zusatzernährung für die Kinder, auf Sauberkeit, auf einen geplanten Tagesrhytmus mit Spiel und Unterrichtsstunden.

Schulfrühstück

Schulfrühstück bis zum 5. Schuljahr gibt das Bürgermeisteramt. Wir stocken mit der Hilfe des „Vereins Jugend- und Sozialarbeit in Bolivien“ das Schulfrühstück bis zu den oberen Schuljahren auf, in dem wir uns an die Rationen vom Bürgermeisteramt anpassen. Im Namen der Schuldirektoren, Elternvertretung und der Schüler vielen herzlichen Dank dafür.

Gemeindebibliothek

Die Gemeindebibliothek konnte durch verschiedene Spenden in letzter Zeit stetig vergrößert werden. Sie ist unser grosser Stolz und wird von den Nachbargemeinden beneidet, aber auch gemeinsam benutzt.

Gesundheitszentrum

Gesundheitszentrum und Zahnarztpraxis haben Dank der Hilfe aus Deutschland bessere Arbeitsmöglichkeiten als in anderen städtischen Einrichtungen desselben Charakters. Auch sind die Behandlungsgebühren geringer, da wir Medikamente zu Großhandelspreisen einkaufen können. Durch interinstitutionelle Verträge ist eine geregelte Zusammenarbeit gewährleistet. Neben der Zahnarztpraxis ist jetzt die Volksapotheke eingerichtet, die von Freiwilligen geführt wird.

Jugendzentren

Jugendzentren, auch in Nachbargemeinden mit Gemeindesälen finden mehr und mehr Beachtung. Wiñay betreut seit 10 Jahren mit 3 Pädagogen vier Stadtviertel (Schulaufgabenbetreuung, Puppentheater, Gesundheitsvorsorge, Sport, Kinderzeitung uvm.) In Villa Armonía betreuen wir im Saal vom Schülermittagstisch jeden Nachmittag von 15 - 18 Uhr zwischen 60 und 70 Kindern mit zwei Erzieherinnen.

Die Kinder bekommen am Nachmittag auch ein Brot und eine Tasse Tee, da eine Küche vorhanden ist.

Es müssen für die Kinderbetreuung Löhne von monatlich 45 Euro bezahlt werden.

Sechs Paten, die jeden Monat je 20 Euro auf das Konto „Jugend und Sozialarbeit in Bolivien“ für diesen Zweck einzahlen würden, könnten dazu beitragen ein neues Zentrum in der Nachbargemeinde Bajo Katalla zu organisieren, wo eine Abiturientin in dem neuen Gemeindesaal angefangen hat, Kinder zu versammeln. Sie braucht dringend Unterstützung. (Spielzeug, Tische, Stühle, eine Vitrine, eine Tafel, Bänke…) für laufende Information der Paten soll gesorgt werden. Winay mit seiner langjährigen Erfahrung kann mit Kursen und Seminaren für die Ausbildung des Personals mit aufkommen.

Bolivianische Studenten

Bolivianische Studenten machen ihr Praktikum im Projekt. Ein Rechtsstudent und eine Sozialarbeiterin arbeiten z.Z. im Projekt mit. Ihre Sachkenntnis kommt vielen Menschen zu gute und ist uns eine grosse Hilfe.

Patenschaften gesucht

Yovana Muñoz, unsere halbtags beschäftigte Sozialarbeiterin, berichtet: „Die Familie hat ein kleines, eigenes Grundstück, wohnt aber in einem Bretterverschlag, der vor der Kälte im Winter bis zu null Grad nicht schützt. Die Frau mit sechs Kindern schläft auf Fellen am Erdboden.“ Mit 1.500 US-Dollar könnten aus Ziegelsteinen und mit Wellblechdach zwei Zimmer von insgesamt 32 m2 entstehen. Wir werben für mehrjährige fortlaufende Patenschaften zu mindestens 20 Euro monatlich, um das Personal und die Vesper von Jugendzentren unterhalten zu können. Sechs gebündelte Patenschaften, kommen auf diese Weise bis zu 40 Kindern zugute. Ein direkter Kontakt zu dem jeweiligen Jugendzentrum wird gewährleistet. Wir verpflichten uns durch persönlichen Kontakt mit Hilfe von Freiwilligen gründlich zu informieren, auch im Internet.

Im Namen der 30 CEMVA-Mitarbeiter, des CEMVA-Direktoriums und all der armen Familien, denen durch Euch Hilfe zukommt, vielen herzlichen Dank und ein Vergelt's Gott! Que Dios se lo pague!

Mit herzlichen Grüssen,

Karen Hochmann

Peter Dittrich

Mein Name ist Andreas Peter Dittrich. Ich arbeite seit dem dritten Mai diesen Jahres als Freiwilliger in der Guardería, wöchentlich wechselnd je einmal mit den zweijährigen beziehungsweise mit den fünfjährigen Kindern. Da ich staatlich anerkannter Erzieher bin ist diese Art von Arbeit für mich nicht ganz unbekannt.

In der Gruppe der Zweijährigen sind zur Zeit 16 Mädchen und Jungen. Fast alle wohnen in Villa Armonía und den angrenzenden Stadtvierteln. Dies trifft auch auf die 22 Kinder der Fünfjährigengruppe zu.

Die Arbeit in diesen beiden Gruppen bereitet mir sehr viel Freude. Auch wenn einige Dinge meine Kritik herausfordern. Das liegt vielleicht eher an meinem Hang zur Perfektion, als an einem etwaigen Mangel der von den Erzieherinnen geleisteten Arbeit. Diese sind fast alle nicht als solche ausgebildet, was nicht zwangsläufig einen negativen Aspekt bedeuten soll. Denn der eine oder andere Mangel in Bezug auf die Theorie wird durch den Einsatzwillen und die Fürsorge um die Kinder mehr als ausgeglichen. Jedoch ist eine etwas gereitzte Stimmung unter den Erzieherinnen zu bemerken, was sicherlich vor allem durch die seit Monaten nicht gezahlten Gehälter der staatlichen Institution Pan und der damit jeweils persönlichen unsicheren Situation des Personals zusammenhängt. Doch schlägt sich dies nicht auf die Arbeit nieder. Diese würde ich im allgemeinen als ordentlich bezeichnen. Trotzdem würde sich das Niveau durch einen festen Arbeitsplan oder das Festlegen auf eine pädagogische Fachrichtung (Montessori, Waldorf, o.ä.) erhöhen lassen.

Fabian Ledwon

Ich heisse Fabian Ledwon, bin Freiwilliger und verbringe ein Jahr in Sucre, im Rahmen des Anderen Dienst im Ausland (aDiA). Während dieser nun schon fast abgelaufenen Zeit arbeitete ich im Comedor Escolar (Schülermittagstisch), in der Farmacia Popular (Volksapotheke) und übernahm bei Bedarf andere Aufgaben.

Die Arbeit in Villa Armonía macht mir viel Spass und hat mir vor allem sehr viel über Bolivien und deren Kultur und Menschen gezeigt. Im Comedor kann den ärmsten Kindern des Viertels mit einer reichlichen Mahlzeit geholfen werden, ausserdem versuchen wir den Kindern Grundlegendes wie Bitte- und Danke-Sagen, Händewaschen und Zähneputzen beizubringen. Wichtig ist mir auch die Freundschaft mit vielen der Kinder und Jugendlichen, denen ich mehr Kumpel als Erzieher bin.

Andreas Dahnke

Im Rahmen des freiwilligen, sozialen Jahres darf ich meine Zeit im sonnig-warmen Sucre verbringen. Im Projekt gibt es viele unterschiedliche Aufgaben, welche von uns Zivis und Freiwilligen immer gern übernommen werden. Nicht nur beim Mittagstisch und im Kinderhaus - es ist immer was los - da man den vielen unbeschwerten Kindern nicht nur dort sondern auch auf der Strasse beziehungsweise im ganzen Projekt begegnet. Die Erfahrungen, die ich sammeln konnte sind ganz unterschiedlicher Art:

Zu Beginn natürlich von Eindrücken der Armut geprägt, wandelte sich mein Bild bezüglich dieser Situation und ich sehe die Menschen jetzt trotz Armut - fröhlich und natürlich lebend - von ihrer liebenbswert menschlichen Seite.

Zu Beginn meiner Freiwilligenzeit arbeitete ich in der Kindertagesstätte. Die Kinder freuten sich immer sehr mich zu sehen und es war eine grosse Freude mit ihnen die Buchstaben zu lernen und zu malen. Aber auch beim Schülermittagstisch hatte ich meine Freude im Umgang mit so vielen Kindern. Neben der spanischen Sprache lernte ich natürlich auch die hiesigen Traditionen und Bräuche kennen. Eine Horizonterweiterung, die mein Leben wesentlich zu objektiveren Denkweisen erweitern konnte.

Marlene Cuellar

Am ersten Februar hat der Schülermittagstisch nach den grossen Ferien seinen Dienst wieder aufgenommen. Der Essaal ist erweitert worden, um mehr armen,hilfsbedürfigen Kindern aus der Schule und dem Kindergarten eine warme Malzeit zukommen zu lassen. Es fehlen uns weitere Tische und Stühle im Wert von ca. 300 US-Dollar, die im Jahreshaushaltsplan nicht vorgesehen sind.

Ich möchte denen danken, die von Deutschland aus den Schülermittagstisch unterstützen und auch den Freiwilligen, für ihre uneigennützige Hilfe und die guten Beziehungen die sie zu den Kindern und dem Personal haben.

Um mehr Kinder aufnehmen zu können, brauchen wir weitere Hilfe.

Mit vielen Grüssen an die Freunde in Deutschland, Marlene Cuellar (Verwalterin Schülermittagstisch)