CEMVA

Centro Educativo Multifuncional Villa Armonía
.
.
.

November 2008

Liebe Freunde in Deutschland,

Das turbulente Jahr 2008 mit grossen Volksaufmärschen und violenten Ausschreitungen geht zu Ende. Eine weitere Wahl, die neue fragwürdig enstandene Verfassung betreffend, wird uns im kommenden Jahr zusammen mit den Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise noch zu schaffen machen.

Wir konnten jedoch Dank Eurer Hilfe und unserem eingeübten CEMVA -Team manchen bedürftigen Menschen in ihren Sorgen beistehen. Mehrere schwere Krankheitsfälle forderten finanzielle Unterstüzung und Betreuung. Eine angemessene Ernährung konnte garantiert werden sowohl im Kinderhaus, wie im Schülermittagstisch und der neu entstandenen “Pensión Popular”, die ein Mittagessen für Lehrlinge und Lehrer der technischen Werkstätten und für deutsche Freiwillige bietet. In den 3 Jugendzentren und der Bibliothek gab es ein Brot und eine Tasse Tee für die betreuten Schüler und in den oberen Volkschulklassen wurde Schulfrühstück ausgeteilt. Für die unteren Klassen war das Bürgermeisteramt zuständig.

Jhenny Cervantes, Pädagogin, Psychologin wurde Dank durch eine neue fortlaufenden Hilfe mit in unsere Arbeitsgruppe aufgenommen und hat einen Alfabetisationskurs für verarmte Mütter, Fortbildungskurse für die Erzieherinnen im Kinderhaus, Gesprächsabende für junge Ehepaare und zahlreiche Arztbesuche durchgeführt.Sie ist auch die Mentorin für die Freiwilligen, mit denen sie sich jede Woche zu einer Gesprächsrunde trifft.

Dr. Roberto Miranda sorgt für die Richtigstellung von Geburtsurkunden was die Schreibung der Namen und auch der Daten anbetrifft. Auch wird die “asistencia familiar” der Familienbeistand von ihm vertreten.Er steht in einer unentgeltliche Beratungsstunde den armen Leuten täglich zur Verfügung.

Verwaltungsfachkraft Antonia Coa schreibt an ihrer Thesis, die die Verwaltung unserer industrialisierten Bäckerei zum Thema hat, der jetzt auch eine Feinbäckerei angeschlossen ist. Ihr bedingungsloser Einsatz ist bewundernswert. Die Bäckerei bildet Jugendliche, mit Rücksicht auf ihre zusätzliche schulische Fortbildung, im Bäckerhandwerk aus. Sie bringt daher nur einen sehr begrenzten Gewinn. Es haben jedoch 15 Angestellte durch diese Einrichtung ein sicheres Einkommen.
Andreas Hollensteiner, Schreinermeister und Lehrer unserer Schreinerlehrlinge hat bewiesen, dass Lernen und Produzieren möglich ist. Wir sind ihm dankbar, dass auch im Projekt jede nötige Holzarbeit immer umgehend zu unserer vollen Zufriedenheit ausgeführt wird. Er betreut 6 Lehrlinge, 3 von ihnen erhalten im Dezember diesen Jahres ihren Titel als “técnico medio”.

Sebastian Steger ist seit Anfang Juli diesen Jahres bei uns und richtet eine Metallwerkstatt ein. Schon Anfang des Jahres hat er noch in Deutschland wichtige Einkäufe dafür gemacht. Ein Teil davon ist mit einem Container eingetroffen.

Unter seiner Leitung, mit Behilfe von zwei Freiwilligen, Flo und Friedericke, und drei bolivianischen Mitarbeitern ist die grosse Dachkonstruktion der neuen Werkstatt durchgeführt worden. Bürgermeisteramt, Deutsche Botschaft und die Vereine” Jugend-und Sozialarbeit in Bolivien” ,“Bolivianisches Kinderhilfswerk” und “CEMVA” haben zur Entstehung der Metallwerkstatt Pate gestanden. Sie leistet dem Projekt schon jetzt in ihrer Anfangsphase viele gute Dienste. Im Kindergarten Sumaj Rikchariy (Schönes Erwachen), wird Die Arbeit von Lydia und Beni, zwei Freiwilligen vom Weltwärtsprogramm, sehr gelobt und macht den beiden auch viel Spass. Ebenso sind die Freiwilligen, Svenja, Sören, Miriam und Antonio, die im Schülermittagstisch und in den Jugendzentren mithelfen, sehr gefragt. Miriam hilft vormittags auch im Kinderhaus aus und Friedericke in unserem Büro, Julia unterstützt die Biliothek und die Feinbäckerei. Wir sind sehr dankbar für diese Mitarbeit. Im Internet werdet Ihr Berichte der Freiwilligen von ihrer Arbeit finden.

Was die Wirtschaft im Land anbetrifft, so sind die Preise seit letzten Jahres bei vielen Artikeln um das Doppelte und Dreifache gestiegen. So in der Eisen- und Holzbranche, bei den Lebensmitteln, bei der Bekleidungsindustrie und den Transportkosten.

Zudem macht sich die Weltwirtschaftskrise in Bolivien bemerkbar. Wurde der US Dollar noch im letzten Jahr 1: 8 gewechselt, so steht er dieses Jahr 1: 6,96 , auch der Wechselkurs des Euros ist von 1: 1,6 auf 1: 1,2 gefallen.

Wir versuchen deshalb auf jedem freien Stück Erde, Gemüse anzubauen. Allerdings gibt die steinige, lehmige Erde wenig her, wenn sie nicht zunächst gedüngt und mit Flusssand zubereitet wird. Es muss also, wie bei jeder Produktion, zunächst investiert werden. Wir wissen jedoch bei dem Endprodukt, dass es nicht aus der Kloake kommt und auch roh gegessen werden kann. Für arme Leute ist Obst und Gemüse ein Luxus. Deswegen müssen die Kinder im Kinderhaus und im Schülermittagstisch zum Gemüseessen erst erzogen werden.

Unterernährung, Krankheit, schlechte Schulergebnisse, Probleme in der Familie verzögern die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Wo müssen wir mit der Hilfe ansetzen? Jhenny, zuständig für Sozialarbeit, macht mit jeweils einem der Freiwilligen “Hausbesuche” bei ihren bedürftigen Frau vom Alfabetisationsunterricht.Da erleben die Freiwilligwen, dass in einem kleinen Zimmer mit Kochgelegenheit auf dem Boden, auf einem zerschlissenen, flachen Strohsack oder mit mehreren Kinder zusammen auf einem Bett ohne Matratze geschlafen wird. Wir kaufen neue Strohsäcke, auch Decken, wo sie fehlen. Für 10 E ist beides zuhaben. Wir kaufen Medikamente , nehmen die Kinder bedürftiger Familien in den Schülermittagstisch oder in die Kindertagesstätte mit auf, sprechen mit den Lehrern, helfen mit Schulmaterial aus und in besonderen Notfällen mit Lebensmitteln und Kleidung, wir sehen nach den Hausaufgaben, bertreuen die Lehrlinge, tragen zur Unterhaltung und Ausrüstung von 10 bestehenden Lehrwerkstätten bei.

Sonderspenden und 4 Patenschaften erlauben uns ausserhalb des festgelegten CEMVA Programs zu wirken. So wurde in die Gemeindebibliothek eine Wasserleitung gelegt und der nötige Wassertank konnte angschafft werden, auch fanden auf allen Gebäuden Dachreparaturen statt.

Unsere Sorge ist, dass Lehrlinge für die technischen Werkstätten nur dann zu anzuwerben sind, wenn wir das Essen, Arbeitskleidung und ein Taschengeld mitunter auch Unterkunft garantieren können. In der Regel müssen 15jährige Jungs als Hilfsarbeiter schon ihr eigenes Brot verdienen. Eine ordnungsgemässe Lehre ist ein Luxus.

Trotz grosser Sparsamkeit, die bei uns im “Projekt” herrscht, ist von dem Cemva-Personal und den Freiwilligen mit vielen Überraschungsnummern mein runder Geburtstag fürstlich gefeiert worden. Die Dankbarkeit, die zum Ausdruck gebracht wurde, gilt vor allem Euch, die Ihr mit Euren Spenden und der jahrelangen Vereinsarbeit, ehrenhalber, unser Wirken hier möglich macht.

Vorallem im Namen der Familien, denen geholfen werden konnte, vielen herzlichen Dank verbunden mit allen guten Wünschen zum neuen Jahr und herzlichen Grüssen.

Karen Hochmann